Grundbruch-Rechner

Mit dem Grundbruch-Rechner ermitteln Sie Grenztragfähigkeit und zulässige Bodenpressung nach Terzaghi aus Kohäsion, Wichte, Tiefe und Sicherheitsbeiwert.

967.4K Berechnungen Aktualisiert · 2026-04-29 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Grundbruch-Rechner

Der Grundbruch-Rechner ermöglicht Bauingenieuren, Geotechnikern, Studierenden und Bauherren eine schnelle und transparente Vordimensionierung der Tragfähigkeit von Flachgründungen. Mit wenigen geotechnischen Kennwerten ermitteln Sie im Grundbruch-Rechner die Grenztragfähigkeit (ultimative Bruchspannung) sowie die zulässige Bodenpressung eines Baugrunds.

  1. Kohäsion ($c$) eingeben — Tragen Sie die wirksame Kohäsion des Bodens in Kilopascal ($\text{kPa}$ bzw. $\text{kN/m}^2$) in das Tool ein. Bei nichtbindigen, rolligen Böden (wie Sand oder Kies) setzen Sie den Wert auf $0$.
  2. Bodenwichte ($\gamma$) festlegen — Geben Sie die Wichte des anstehenden Bodens in $\text{kN/m}^3$ an.
  3. Fundamentabmessungen angeben — Tragen Sie die Einbindetiefe ($D_f$) und die Fundamentbreite ($B$) in Metern ein.
  4. Tragfähigkeitsbeiwerte ($N_c$, $N_q$, $N_\gamma$) definieren — Geben Sie die vom inneren Reibungswinkel ($\varphi$) abhängigen Beiwerte nach Terzaghi an. Der Grundbruch-Rechner verwendet praxisnahe Standardwerte, die Sie individuell anpassen können.
  5. Sicherheitsbeiwert ($FS$) bestimmen — Wählen Sie den globalen Sicherheitsfaktor (üblicherweise zwischen $2{,}5$ und $3{,}5$).
  6. Ergebnisse analysieren — Der Grundbruch-Rechner berechnet sofort die zulässige Tragfähigkeit, die Grenztragfähigkeit sowie die einzelnen Anteile aus Kohäsion, Einbindetiefe und Fundamentbreite.

Formeln & bodenmechanische Grundlagen — Grundbruch-Rechner

Der Grundbruch-Rechner basiert auf der klassischen Grundbruchtheorie nach Karl Terzaghi (1943) für streifenförmige Flachgründungen. Die Grundbruchgleichung setzt sich aus drei additiven Traganteilen zusammen:

qu = c · Nc + γ · Df · Nq + 0.5 · γ · B · Nγ

Die zulässige Bodenpressung ($q_a$) ermittelt der Grundbruch-Rechner über den globalen Sicherheitsbeiwert ($FS$):

qa = qu / FS

Die drei Traganteile im Grundbruch-Rechner

  1. Kohäsionsanteil ($c \cdot N_c$) — Beschreibt den Beitrag der bodeneigenen Scherfestigkeit und des Zusammenhalts der Bodenpartikel (besonders wirksam bei bindigen Böden wie Ton und Schluff).
  2. Tiefenanteil / Überlagerungsanteil ($\gamma \cdot D_f \cdot N_q$) — Berücksichtigt das Gewicht der seitlich neben dem Fundament anstehenden Bodenschicht (Auflast in Höhe der Gründungssohle).
  3. Breitenanteil / Baugrundeigengewichtsanteil ($0{,}5 \cdot \gamma \cdot B \cdot N_\gamma$) — Erfasst den Scherwiderstand des Bodens unterhalb der Gründungssohle, der mit zunehmender Fundamentbreite ansteigt.
ParameterBezeichnungEinheitBedeutung
$q_u$Grenztragfähigkeit$\text{kPa}$Bruchspannung, bei der Grundbruchversagen eintritt
$q_a$Zulässige Tragfähigkeit$\text{kPa}$Bemessungswert unter Berücksichtigung der Sicherheit
$c$Kohäsion$\text{kPa}$Bodenkohäsion / Scherfestigkeit ohne Auflast
$\gamma$Bodenwichte$\text{kN/m}^3$Raumgewicht des anstehenden Bodens
$D_f$Einbindetiefe$\text{m}$Tiefe der Fundamentsohle unter Geländeoberkante
$B$Fundamentbreite$\text{m}$Kleinere Seitenabmessung des Streifenfundaments
$N_c, N_q, N_\gamma$TragfähigkeitsbeiwerteDimensionslose Beiwerte abhängig vom Reibungswinkel $\varphi$
$FS$SicherheitsbeiwertGlobaler Sicherheitsfaktor (z. B. $3{,}0$)

Beispielrechnung im Grundbruch-Rechner

Für ein Streifenfundament auf bindigem Sandboden liegen folgende Baugrund- und Geometrieparameter vor:

  • Kohäsion ($c$): $25,\text{kPa}$
  • Bodenwichte ($\gamma$): $18,\text{kN/m}^3$
  • Einbindetiefe ($D_f$): $1{,}5,\text{m}$
  • Fundamentbreite ($B$): $2{,}0,\text{m}$
  • Tragfähigkeitsbeiwerte: $N_c = 30{,}1$, $N_q = 18{,}4$, $N_\gamma = 15{,}7$
  • Sicherheitsbeiwert ($FS$): $3{,}0$

Berechnung der einzelnen Terme:

  1. Kohäsionsanteil: $25 \cdot 30{,}1 = 752{,}50,\text{kPa}$
  2. Tiefenanteil: $18 \cdot 1{,}5 \cdot 18{,}4 = 496{,}80,\text{kPa}$
  3. Breitenanteil: $0{,}5 \cdot 18 \cdot 2{,}0 \cdot 15{,}7 = 282{,}60,\text{kPa}$
  4. Grenztragfähigkeit ($q_u$): $752{,}50 + 496{,}80 + 282{,}60 = 1531{,}90,\text{kPa}$
  5. Zulässige Tragfähigkeit ($q_a$): $1531{,}90 / 3{,}0 = 510{,}63,\text{kPa}$

Der Grundbruch-Rechner gibt Ihnen alle Zwischenergebnisse und die resultierende zulässige Bodenpressung von rund $510{,}63,\text{kPa}$ übersichtlich aus.


Typische Anwendungsbereiche für den Grundbruch-Rechner

Der Grundbruch-Rechner eignet sich für eine Vielzahl ingenieurtechnischer Aufgabenstellungen:

  • Vordimensionierung im Hoch- und Tiefbau — Ingenieure nutzen den Grundbruch-Rechner, um die erforderliche Fundamentbreite und Einbindetiefe frühzeitig abzuschätzen.
  • Variantenstudien & Sensitivitätsanalysen — Prüfen Sie im Grundbruch-Rechner, wie sich eine Vertiefung der Gründungssohle oder eine Verbreiterung des Fundaments auf die Gesamtsicherheit auswirkt.
  • Geotechnik-Lehre & Studium — Bauingenieurstudenten verwenden den Grundbruch-Rechner zur Veranschaulichung der Terzaghi-Theorie und zur Kontrolle manueller Rechenwege.
  • Plausibilitätsprüfung von Baugrundgutachten — Bauplaner können mit dem Grundbruch-Rechner geotechnische Empfehlungen schnell auf Plausibilität überprüfen.

Wichtige Praxishinweise zur Grundbruchberechnung

Obwohl dieser Rechner verlässliche Orientierungswerte liefert, müssen in der realen Bauausführung folgende geotechnische Faktoren beachtet werden:

  • Grundwassereinfluss: Steht Grundwasser oberhalb oder im Bereich der Fundamentsohle an, verringert sich die Wichte des Bodens infolge von Auftrieb auf die Wichte unter Auftrieb ($\gamma\prime \approx \gamma - 10,\text{kN/m}^3$), was die Grenztragfähigkeit deutlich reduziert.
  • Normative Nachweise nach Eurocode 7 (DIN EN 1997-1 / DIN 4017): In Deutschland und Europa werden baurechtlich verbindliche Nachweise nach dem Teilsicherheitskonzept (Grenzzustand GEO) geführt, wobei Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Bodenwiderstände angesetzt werden.
  • Setzungsnachweis: Eine ausreichende Grundbruchsicherheit garantiert nicht automatisch schadensfreie Setzungen. Der Gebrauchstauglichkeitsnachweis (SLS) erfordert in der Regel eine separate Setzungsberechnung.
  • Baugrundgutachten erforderlich: Ein Online-Tool ersetzt kein projektspezifisches Baugrundgutachten durch einen qualifizierten Sachverständigen für Geotechnik.

Häufige Fragen zu Grundbruch-Rechner

Was berechnet der Grundbruch-Rechner?

Der Grundbruch-Rechner berechnet die Grenztragfähigkeit (ultimative Bruchspannung) und die zulässige Tragfähigkeit (Bodenpressung) eines Baugrunds unter einem streifenförmigen Fundament anhand der Terzaghi-Formel.

Wie lautet die Terzaghi-Formel für die Grundbruchberechnung?

Die Terzaghi-Gleichung für Streifenfundamente lautet qu = c · Nc + γ · Df · Nq + 0,5 · γ · B · Nγ. Sie summiert die Traganteile aus Kohäsion, Einbindetiefe (Auflast) und Fundamentbreite (Baugrundreibung).

Welcher Sicherheitsbeiwert wird bei der Grundbruchberechnung gewählt?

In der klassischen Geotechnik wird für Flachgründungen üblicherweise ein globaler Sicherheitsfaktor FS zwischen 2,5 und 3,5 angesetzt, um unvorhersehbare Inhomogenitäten im Boden und Lastspitzen abzusichern.

Was ist der Unterschied zwischen Grundbruch und Setzungen?

Ein Grundbruch ist ein schlagartiges Scherbruchversagen des Bodens (Grenzzustand der Tragfähigkeit), während Setzungen allmähliche Verformungen und Verdichtungen unter Belastung darstellen (Gebrauchstauglichkeit).

Ersetzt der Grundbruch-Rechner ein geotechnisches Baugrundgutachten?

Nein. Der Grundbruch-Rechner dient der theoretischen Orientierung und Vordimensionierung. Für genehmigungspflichtige Bauwerke ist stets ein Baugrundgutachten gemäß Eurocode 7 (DIN EN 1997-1) erforderlich.