Braden-Skala-Rechner

Mit dem Braden-Skala-Rechner ermitteln Sie das Dekubitusrisiko in der Pflege zuverlässig anhand von 6 Kriterien: Punkte auswerten und Prophylaxe planen.

960.5K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-25 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Braden-Skala-Rechner

Der Braden-Skala-Rechner ermöglicht Pflegefachkräften, Pflegeberatenden und medizinischem Personal eine schnelle und standardisierte Einstufung des Dekubitusrisikos bei bettlägerigen oder mobilitätseingeschränkten Patienten. Zur Ermittlung des Scores wählen Sie für jede der sechs Kategorien die zutreffende Ausprägung aus:

  1. Sensorisches Empfindungsvermögen (1–4 Punkte) — Fähigkeit, druckbedingte Schmerzen oder Beschwerden wahrzunehmen und mitzuteilen.
  2. Feuchtigkeit (1–4 Punkte) — Ausmaß, in dem die Haut Schweiß, Urin oder Stuhlgang ausgesetzt ist.
  3. Aktivität (1–4 Punkte) — Grad der allgemeinen körperlichen Aktivität (bettlägerig bis regelmäßig gehend).
  4. Mobilität (1–4 Punkte) — Fähigkeit, die eigene Körperposition selbstständig zu verändern und zu kontrollieren.
  5. Ernährung (1–4 Punkte) — Gewohnte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder künstliche Ernährung.
  6. Reibung und Scherkräfte (1–3 Punkte) — Einwirkung mechanischer Kräfte bei Bewegung oder Positionswechsel im Bett/Rollstuhl.

Nach Auswahl der Kriterien addiert der Braden-Skala-Rechner alle Einzelwerte automatisch zu einer Gesamtpunktzahl zwischen 6 und 23 Punkten. Das Auswertungsergebnis ordnet den Patienten unmittelbar in eine standardisierte Risikokategorie ein.

Aufbau und Kriterien der Braden-Skala

Die 1987 von Barbara Braden und Nancy Bergstrom entwickelte Skala unterscheidet zwei wesentliche pathophysiologische Ursachenkomplexe der Dekubitusentstehung:

  • Druckdauer und Gewebedruck: Bestimmt durch Aktivität, Mobilität und das sensorische Empfindungsvermögen. Patienten, die Schmerzreize nicht spüren oder ihre Lage nicht selbst verändern können, sind anhaltendem Druck auf knöchernen Vorsprüngen ausgesetzt.
  • Gewebetoleranz: Bestimmt durch Feuchtigkeit, Ernährungsstatus sowie Reibungs- und Scherkräfte. Mazerierte Haut durch Inkontinenz oder mangelhafte Mikronährstoffversorgung verringern die Widerstandskraft der Dermis und Subkutis.

Durch das strukturierte Assessment behalten Sie beide Dimensionen im Blick und erkennen differenziert, wo der primäre Handlungsbedarf liegt.

Formel & Risikoeinstufung der Braden-Skala

Die Berechnung im Braden-Skala-Rechner folgt der Summenformel aller sechs Einzelfaktoren:

Braden-Gesamtpunktzahl = Sensorik + Feuchtigkeit + Aktivität + Mobilität + Ernährung + Reibung/Scherkräfte

Die resultierende Punktzahl wird folgenden Risikostufen zugeordnet:

Braden-PunkteRisikostufeEmpfohlene pflegerische Konsequenz
19–23 PunkteKein erhöhtes RisikoRegelmäßige Neubeurteilung im Rahmen der Routinepflege
15–18 PunkteGeringes RisikoBeginn prophylaktischer Basismaßnahmen (z. B. Hautpflege, Bewegungsförderung)
13–14 PunkteMittleres RisikoGezielter Bewegungs- und Lagerungsplan, druckentlastende Hilfsmittel
10–12 PunkteHohes RisikoHochgradige Weichlagerung oder Wechseldruckmatratze, engmaschige Intervalle
6–9 PunkteSehr hohes RisikoUmfassende Maximalprophylaxe, Scherkraftvermeidung, Ernährungsintervention

Ein niedrigerer Wert im Braden-Skala-Rechner signalisiert ein höheres Gefährdungspotenzial. Bei einem Wert von $\le 18$ Punkten gilt ein Patient im Regelfall als dekubitusgefährdet.

Praxisbeispiel: Risikoberechnung in der Pflege

Eine 81-jährige Patientin wird nach einer Schenkelhalsfraktur auf der geriatrischen Station versorgt. Das Pflegeteam nutzt den Braden-Skala-Rechner zur Pflegeplanung:

  • Sensorisches Empfindungsvermögen: 3 Punkte (Leicht eingeschränkt — reagiert auf Ansprache, kann Beschwerden äußern).
  • Feuchtigkeit: 3 Punkte (Manchmal feucht — gelegentliche Dranginkontinenz).
  • Aktivität: 1 Punkt (Bettlägerig — kann das Bett aktuell nicht verlassen).
  • Mobilität: 2 Punkte (Sehr eingeschränkt — führt gelegentlich minimale Positionswechsel der Extremitäten durch).
  • Ernährung: 2 Punkte (Wahrscheinlich unzureichend — isst nur etwa die Hälfte der servierten Mahlzeiten).
  • Reibung und Scherkräfte: 1 Punkt (Potenzielles Problem — rutscht im Pflegebett häufig herab).

Berechnung:

$$\text{Braden-Score} = 3 + 3 + 1 + 2 + 2 + 1 = 12\text{ Punkte}$$

Ergebnis und Handlungsplan: Der Braden-Skala-Rechner ordnet die Patientin mit 12 Punkten der Kategorie Hohes Risiko zu. Das Pflegeteam leitet umgehend Maßnahmen ein: Einsatz einer druckverteilenden Spezialmatratze, strukturierter 2-Stunden-Lagerungswechsel unter Vermeidung von Scherkräften beim Hochziehen sowie Hinzuziehung der Ernährungsberatung zur Proteinanreicherung.

Klinische Anwendungsbereiche des Braden-Skala-Rechners

Der Braden-Skala-Rechner wird in verschiedenen Pflege- und Versorgungskontexten routinemäßig eingesetzt:

  • Stationäre Krankenpflege & Intensivmedizin: Erstassessment bei Aufnahme sowie tägliche Neubewertung bei beatmeten, sedierten oder instabilen Patienten.
  • Altenpflegeheime & Langzeitpflege: Regelmäßige Verlaufskontrolle bei Neueinzug, nach Sturzereignissen oder bei akuter Verschlechterung des Allgemeinzustands.
  • Ambulante Pflegedienste: Einschätzung des Hilfsmittelbedarfs (z. B. Antidekubitusmatratzen für die häusliche Pflege) zur Vorlage bei Krankenkassen.
  • Rehabilitationseinrichtungen: Dokumentation des funktionellen Erholungsprozesses und Anpassung der Mobilisationsstufen.

Grenzen und pflegefachliche Empfehlungen

Obwohl der Braden-Skala-Rechner eine wertvolle Orientierungshilfe bietet, betont der Nationale Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, dass Skalen alleinige klinische Beurteilungen nicht ersetzen:

  • Ganzheitliche Hautinspektion: Tägliche Sichtkontrolle gefährdeter Körperstellen (Kreuzbein, Fersen, Trochanteren) bleibt unverzichtbar.
  • Zusätzliche Risikofaktoren: Fieber, niedriger Blutdruck, pAVK, Diabetes mellitus oder bestehende Gewebeschäden fließen nicht direkt in die Punktzahl ein.
  • Verlaufsbeobachtung: Eine einmalige Einstufung reicht im Pflegealltag nicht aus; veränderte Vitalparameter oder Medikationsanpassungen erfordern eine zeitnahe Neuberechnung.

Häufige Fragen zu Braden-Skala-Rechner

Was berechnet der Braden-Skala-Rechner?

Der Braden-Skala-Rechner ermittelt anhand von sechs Risikofaktoren eine Gesamtpunktzahl zwischen 6 und 23 Punkten, um die Gefährdung eines Patienten für die Entstehung von Druckgeschwüren (Dekubitus) einzustufen.

Bedeutet eine höhere Punktzahl ein höheres Dekubitusrisiko?

Nein, bei der Braden-Skala gilt das umgekehrte Prinzip: Je niedriger die Gesamtpunktzahl ausfällt, desto höher ist das Risiko für einen Dekubitus.

Ab welchem Braden-Score sind Prophylaxemaßnahmen erforderlich?

In der klinischen Praxis gelten Werte von 18 Punkten oder weniger als interventionsbedürftig. Ab diesem Schwellenwert sollten gezielte Entlastungs- und Pflegemaßnahmen eingeleitet werden.

Warum beträgt die maximale Punktzahl 23 und nicht 24?

Fünf der sechs Teilbereiche (Sensorik, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung) werden mit 1 bis 4 Punkten bewertet, während Reibung und Scherkräfte maximal 3 Punkte vergeben.

Reicht die reine Gesamtpunktzahl für die Pflegeplanung aus?

Die Gesamtpunktzahl dient der Risikostratifizierung, doch pflegerische Maßnahmen müssen an den konkreten Defiziten in den einzelnen Subkategorien ansetzen.

Ersetzt der Braden-Skala-Rechner die pflegerische Fachbeurteilung?

Nein, standardisierte Assessmentinstrumente unterstützen die Dokumentation, ersetzen jedoch niemals die kontinuierliche klinische Beobachtung und das Urteil von Pflegefachkräften.