So nutzen Sie den Genfer-Score-Rechner
Der Genfer-Score-Rechner ermöglicht es medizinischem Fachpersonal, Rettungskräften und Studierenden, die klinische Vortestwahrscheinlichkeit einer akuten Lungenembolie schnell und standardisiert zu ermitteln. Die Berechnung basiert auf dem validierten revidierten Genfer Score (Revised Geneva Score).
Wählen Sie in der Eingabemaske die zutreffenden anamnestischen und klinischen Befunde aus:
- Alter erfassen – Aktivieren Sie das Kontrollkästchen, wenn die betroffene Person 65 Jahre oder älter ist (+1 Punkt).
- Thrombose-Vorgeschichte – Wählen Sie die Option aus, falls eine dokumentierte tiefe Beinvenenthrombose (TVT) oder Lungenembolie (LE) vorliegt (+3 Punkte).
- Kürzliche Operation oder Fraktur – Markieren Sie das Feld bei einem chirurgischen Eingriff unter Vollnarkose oder einer Unterschenkelfraktur innerhalb der letzten 30 Tage (+2 Punkte).
- Immobilisation / Bewegungseinschränkung – Berücksichtigen Sie eine relevante Immobilität oder Bettlägerigkeit (+2 Punkte).
- Herzfrequenz eintragen – Geben Sie die gemessene Ruheherzfrequenz in Schlägen pro Minute ein (75–94 S/min = +3 Punkte, ≥ 95 S/min = +5 Punkte).
- Klinische Leitsymptome – Erfassen Sie akute Brustschmerzen (+2 Punkte) sowie Hämoptoe bzw. Bluthusten (+2 Punkte).
- Sauerstoffsättigung (SpO2) eingeben – Tragen Sie die pulsoxymetrisch gemessene Sauerstoffsättigung ein (< 95 % = +2 Punkte).
- Ergebnis auswerten – Der Genfer-Score-Rechner berechnet in Echtzeit die Gesamtpunktzahl sowie die zugehörige Risikokategorie.
Kriterien und Punkteverteilung im Genfer-Score-Rechner
Der revidierte Genfer Score stützt sich auf 8 klar definierte klinische Variablen. Jedes Merkmal wird anhand des etablierten Punkteschemas gewichtet:
| Klinischer Parameter / Befund | Kriterium | Punkte |
|---|---|---|
| Alter | Alter ≥ 65 Jahre | +1 |
| VTE-Anamnese | Frühere TVT oder Lungenembolie | +3 |
| Chirurgischer Eingriff / Trauma | OP in Vollnarkose oder Fraktur der unteren Extremität (< 30 Tage) | +2 |
| Immobilisation | Bettlägerigkeit oder deutliche Mobilitätseinschränkung | +2 |
| Tachykardie (Herzfrequenz) | 75 bis 94 Schläge/min | +3 |
| Ausgeprägte Tachykardie | ≥ 95 Schläge/min | +5 |
| Thoraxschmerz | Akuter pleuritischer oder belastungsabhängiger Brustschmerz | +2 |
| Hämoptoe | Bluthusten in der aktuellen Episode | +2 |
| Hypoxämie | Sauerstoffsättigung (SpO2) < 95 % bei Raumluft | +2 |
Gesamtpunktzahl = Alterspunkte + VTE-Punkte + OP/Fraktur-Punkte + Immobilitäts-Punkte + HF-Punkte + Symptompunkte + SpO2-Punkte
Interpretation der Risikogruppen
Auf Basis des errechneten Scores unterscheidet der Genfer-Score-Rechner die folgenden Wahrscheinlichkeitsstufen für eine akute Lungenembolie:
1. Drei-Stufen-Modell (Klassische Risikostratifizierung)
- 0 bis 3 Punkte (Niedriges Risiko): Die Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie liegt bei unter 10 %. In Kombination mit einem negativen D-Dimer-Test kann eine Lungenembolie meist sicher ausgeschlossen werden.
- 4 bis 10 Punkte (Mittleres / Intermediäres Risiko): Die Wahrscheinlichkeit liegt bei ca. 20 bis 30 %. Ein D-Dimer-Test oder eine weiterführende Bildgebung (z. B. CT-Angiographie der Pulmonalarterien) ist erforderlich.
- 11 bis 22 Punkte (Hohes Risiko): Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 60 %. Ein D-Dimer-Test ist hier nicht zielführend; es sollte direkt eine bildgebende Diagnostik (CTPA) eingeleitet werden.
2. Zwei-Stufen-Modell (Dichotome Einteilung)
- 0 bis 5 Punkte: Lungenembolie unwahrscheinlich.
- ≥ 6 Punkte: Lungenembolie wahrscheinlich.
Vergleich: Genfer Score vs. Wells-Score
In der klinischen Praxis zählen der revidierte Genfer Score und der Wells-Score zu den beiden am häufigsten eingesetzten Instrumenten zur Risikoabschätzung bei Verdacht auf Lungenembolie.
Der wesentliche Vorteil, den der Genfer-Score-Rechner bietet, liegt in seiner vollständigen Objektivität: Während der Wells-Score das Kriterium „Eine alternative Diagnose ist weniger wahrscheinlich als eine Lungenembolie“ enthält (das stark von der individuellen Erfahrung der untersuchenden Person abhängt), verwendet der revidierte Genfer Score ausschließlich standardisierte Messwerte und Fakten aus der Anamnese. Beide Scores weisen in wissenschaftlichen Validierungsstudien eine vergleichbare diagnostische Treffsicherheit auf.
Typische Einsatzbereiche für den Genfer-Score-Rechner
- Zentrale Notaufnahme & Triage – Schnelle Ersteinschätzung und Priorisierung von Patienten mit akuter Dyspnoe, Brustschmerzen oder Synkope.
- Präklinischer Notarztdienst – Strukturierte Risikoerfassung vor der Zuweisung in ein geeignetes Zielkrankenhaus.
- Stationäre Patientenversorgung – Überprüfung einer vermuteten postoperativen oder immobilitätsbedingten Thrombembolie.
- Medizinisches Studium & Facharztausbildung – Der Genfer-Score-Rechner dient als praktisches Lernwerkzeug für strukturierte diagnostische Entscheidungspfade.
Klinische Hinweise und Grenzen
Der Genfer-Score-Rechner dient der Orientierung und Entscheidungsunterstützung im Rahmen des leitliniengerechten Diagnosepfads. Er ersetzt keinesfalls die klinische Beurteilung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Bei hämodynamisch instabilen Patienten (z. B. im kardiogenen Schock oder bei anhaltender Hypotension) steht die sofortige Notfalldiagnostik und Reanimation im Vordergrund, ohne dass zuvor ein Score ermittelt werden muss.