So nutzen Sie den TI-RADS-Rechner
Der TI-RADS-Rechner ermöglicht Klinikern, Radiologen und medizinischem Fachpersonal eine strukturierte sonographische Risikostratifizierung von Schilddrüsenknoten. Wählen Sie in den Eingabefeldern die im Ultraschall erhobenen Kriterien aus:
- Knotenform festlegen – Bestimmen Sie, ob der Knoten eine reguläre oder irreguläre äußere Kontur aufweist.
- Randbegrenzung wählen – Selektieren Sie, ob die Ränder scharf begrenzt, unscharf oder mikrolobuliert bzw. irregulär sind.
- Echogenität einstufen – Wählen Sie zwischen hyper-/isoechogen, gemischt, hypoechogen (echoarm) oder stark hypoechogen.
- Verkalkungsmuster erfassen – Geben Sie an, ob Makroverkalkungen, randständige Randschalen oder suspekte Mikroverkalkungen vorliegen.
- Höhen-Breiten-Verhältnis prüfen – Prüfen Sie im Querschnitt, ob der Knoten höher als breit ist (taller-than-wide).
- Ergebnis auswerten – Die Anwendung summiert alle Kriterienpunkte auf und zeigt Ihnen die passende Risikokategorie (TR1 bis TR5).
Formel und Klassifikationssystem des TI-RADS-Rechners
Die Berechnung im TI-RADS-Rechner basiert auf dem standardisierten Punktesystem des American College of Radiology (ACR TI-RADS):
$$\text{TI-RADS-Score} = \sum \text{Punkte der fünf sonographischen Kriterien}$$
Jedem Ultraschallmerkmal ist im Befundungsschema eine feste Punktzahl zugeordnet:
| Sonographische Kategorie | Ultraschallkriterium | Vergebene Punkte |
|---|---|---|
| Zusammensetzung & Form | Zystisch / regulär spongiform Gemischt / regulär Solide / irregulär | 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte |
| Echogenität | Anekchoisch / echofrei Hyper-/isoechogen Hypoechogen (echoarm) Stark hypoechogen | 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte |
| Knotenränder | Glatt / scharf begrenzt Unscharf abgegrenzt Gelappt (lobuliert) / irregulär | 0 Punkte 0 Punkte 2 Punkte |
| Höhen-Breiten-Verhältnis | Breiter als hoch (oder gleich) Höher als breit (taller-than-wide) | 0 Punkte 3 Punkte |
| Echogene Fokusse | Keine Verkalkungen Große Makroverkalkungen Randständige Verkalkung (Rim) Punktförmige Mikroverkalkungen | 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte |
Risikokategorien und Malignitätswahrscheinlichkeit
Anhand der ermittelten Gesamtpunktzahl ordnet der TI-RADS-Rechner den Knoten in eine von fünf Risikoklassen ein:
| Kategorie | Bezeichnung | Gesamtpunkte | Geschätztes Malignitätsrisiko | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|---|---|
| TR1 | Benigne (gutartig) | 0 Punkte | $< 2,%$ | Keine FNP oder Verlaufskontrolle nötig |
| TR2 | Nicht suspekt | 2 Punkte | $< 2,%$ | Keine Feinnadelpunktion erforderlich |
| TR3 | Geringgradig suspekt | 3 Punkte | ca. $5,%$ | FNP ab $\ge 2{,}5\text{ cm}$; Kontrolle ab $\ge 1{,}5\text{ cm}$ |
| TR4 | Mäßig suspekt | 4 – 6 Punkte | $5,% \text{ bis } 20,%$ | FNP ab $\ge 1{,}5\text{ cm}$; Kontrolle ab $\ge 1{,}0\text{ cm}$ |
| TR5 | Hochgradig suspekt | $\ge 7$ Punkte | $> 20,%$ (bis zu $50,%$) | FNP ab $\ge 1{,}0\text{ cm}$; Kontrolle ab $\ge 0{,}5\text{ cm}$ |
Praxisbeispiel zur Auswertung mit dem TI-RADS-Rechner
Eine 52-jährige Patientin stellt sich zur Schilddrüsensonographie vor. Im rechten Schilddrüsenlappen zeigt sich ein $1{,}8\text{ cm}$ großer Knoten mit folgenden Merkmalen:
- Zusammensetzung / Form: Solide, irregulär $\rightarrow 2\text{ Punkte}$
- Echogenität: Hypoechogen (echoarm) $\rightarrow 2\text{ Punkte}$
- Randbegrenzung: Scharf begrenzt $\rightarrow 0\text{ Punkte}$
- Höhen-Breiten-Verhältnis: Breiter als hoch $\rightarrow 0\text{ Punkte}$
- Echogene Fokusse: Mikroverkalkungen vorhanden $\rightarrow 3\text{ Punkte}$
Eingesetzt in den TI-RADS-Rechner ergibt sich folgende Gesamtpunktzahl:
$$\text{Gesamtpunkte} = 2 + 2 + 0 + 0 + 3 = 7\text{ Punkte}$$
Das ermittelte Ergebnis lautet TR5 (Hochgradig suspekt). Da der Knoten mit $1{,}8\text{ cm}$ über dem Schwellenwert von $1{,}0\text{ cm}$ liegt, empfiehlt der klinische Leitfaden eine zytologische Abklärung mittels Feinnadelpunktion (FNP).
Typische Anwendungsbereiche des TI-RADS-Rechners
Der TI-RADS-Rechner dient verschiedenen Zielgruppen im klinischen und wissenschaftlichen Alltag:
- Ultraschall-Befundung: Schnelle und fehlerfreie Zuordnung sonographischer Deskriptoren in standardisierte Befundberichte.
- Vermeidung unnötiger Biopsien: Gezielte Triage, um Patienten mit benignen Befunden invasive Feinnadelpunktionen zu ersparen.
- Medizinische Ausbildung: Veranschaulichung, wie spezifische Hochrisikomerkmale (z. B. Mikroverkalkungen oder taller-than-wide) die Risikoeinstufung beeinflussen.
- Interdisziplinäre Kommunikation: Einheitliche Sprache zwischen Radiologen, Nuklearmedizinern, Endokrinologen und Chirurgen.
Grenzen und klinische Hinweise
Obwohl dieser TI-RADS-Rechner eine wertvolle Entscheidungshilfe darstellt, müssen klinische Besonderheiten beachtet werden:
- Untersucherabhängigkeit: Die Beurteilung sonographischer Merkmale im Ultraschall unterliegt einer gewissen Interobserver-Variabilität.
- Klinischer Gesamtkontext: Anamnestische Risikofaktoren wie vorangegangene Bestrahlungen der Halsregion oder familiäre Schilddrüsenkarzinome (z. B. medulläres Karzinom, MEN-2) erfordern oft unabhängig vom Score eine Biopsie.
- Kein Ersatz für Fachdiagnostik: Die Software dient Schulungs- und Dokumentationszwecken und ersetzt nicht die ärztliche Diagnostik oder individuelle Therapieentscheidungen durch Fachärzte.