So nutzen Sie den RTS-Trauma-Score-Rechner
Der RTS-Trauma-Score-Rechner ermöglicht die strukturierte physiologische Beurteilung von Traumapatienten in Notaufnahme, Schockraum und präklinischem Rettungsdienst. Tragen Sie die gemessenen Vitalparameter in die Eingabefelder ein:
- Glasgow Coma Scale (GCS) eingeben — Wählen Sie den Gesamtwert der neurologischen Beurteilung im Bereich von 3 bis 15 Punkten.
- Systolischen Blutdruck (SBP) erfassen — Tragen Sie den gemessenen systolischen arteriellen Blutdruck in mmHg ein.
- Atemfrequenz (RR) angeben — Geben Sie die spontane Atemfrequenz in Atemzügen pro Minute an.
- Ergebnis ablesen — Das Online-Tool wandelt jeden Rohwert in die entsprechende RTS-Kategorie (0 bis 4) um und berechnet den gewichteten Score.
Niedrigere Gesamtwerte weisen auf eine ausgeprägte physiologische Instabilität hin und erfordern umgehende intensivmedizinische und unfallchirurgische Maßnahmen.
Formeln & physiologische Grundlagen
Der RTS-Trauma-Score-Rechner verwendet die etablierte mathematische Regressionsgleichung nach Champion et al. zur gewichteten Schweregradbeurteilung:
RTS = (0,9368 × GCS-Code) + (0,7326 × SBP-Code) + (0,2908 × RR-Code)
Die Zuordnung der gemessenen Vitalparameter zu den standardisierten Kodierungswerten (0 bis 4) erfolgt anhand definierter Wertebereiche:
| Kodierter Wert | GCS (Punkte) | Systolischer Blutdruck (mmHg) | Atemfrequenz (/min) |
|---|---|---|---|
| 4 | 13 – 15 | > 89 | 10 – 29 |
| 3 | 9 – 12 | 76 – 89 | > 29 |
| 2 | 6 – 8 | 50 – 75 | 6 – 9 |
| 1 | 4 – 5 | 1 – 49 | 1 – 5 |
| 0 | 3 | 0 (kein tastbarer Puls) | 0 (Atemstillstand / Apnoe) |
Innerhalb dieser Formel erhält der neurologische Status über den GCS-Code mit einem Faktor von 0,9368 die stärkste Gewichtung, gefolgt von der hämodynamischen Stabilität (0,7326) und der Ventilation (0,2908).
Praxisbeispiel zur Score-Ermittlung
Ein Patient nach einem Hochrasanztrauma weist bei der primären Beurteilung folgende Vitalparameter auf:
- GCS: 11 Punkte (entspricht dem GCS-Code 3)
- Systolischer Blutdruck: 82 mmHg (entspricht dem SBP-Code 3)
- Atemfrequenz: 32 Atemzüge/min (entspricht dem RR-Code 3)
Die schrittweise Berechnung des gewichteten Scores lautet: $$\text{RTS} = (0{,}9368 \times 3) + (0{,}7326 \times 3) + (0{,}2908 \times 3)$$ $$\text{RTS} = 2{,}8104 + 2{,}1978 + 0{,}8724 = 5{,}8806$$
Ein gewichteter Wert von ca. 5,88 spiegelt ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko wider und verdeutlicht die Notwendigkeit einer sofortigen Schockraumversorgung. Mit dem RTS-Trauma-Score-Rechner lassen sich solche physiologischen Kenngrößen fehlerfrei und innerhalb von Sekunden berechnen.
Klinische Anwendungsbereiche in der Notfallmedizin
Standardisierte Bewertungsverfahren wie der RTS-Trauma-Score-Rechner unterstützen medizinisches Fachpersonal bei zentralen diagnostischen und organisatorischen Schritten:
- Prähospitale Triage & Zielklinikzuweisung: Objektive Entscheidungshilfe für den Notarzt und Rettungsdienst zur Indikationsstellung für ein überregionales Traumazentrum gemäß den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).
- Schockraum-Dokumentation & Qualitätsregister: Standardisierte Datenerfassung für Traumaregister zur retrospektiven Versorgungsanalyse und Qualitätskontrolle.
- Kombination im TRISS-Modell: Integration mit dem Injury Severity Score (ISS) und Altersfaktoren zur präzisen statistischen Überlebenswahrscheinlichkeitsberechnung (TRISS-Methode).
- Verlaufskontrolle & Reevaluation: Schnelle Detektion beginnender Schockzustände oder neurologischer Verschlechterungen durch serielle Score-Erhebungen während des Transports.
Das Tool bietet eine verlässliche Orientierungshilfe zur schnellen Triage, ersetzt jedoch zu keinem Zeitpunkt das fundierte klinische Urteil des Behandlungsteams.