So nutzen Sie den ABI-Rechner
Der ABI-Rechner (Knöchel-Arm-Index-Rechner) dient zur präzisen Bestimmung des Ankle-Brachial-Index zur Früherkennung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Für die Berechnung benötigen Sie vier systolische Blutdruckwerte in mmHg:
- Systolischen Blutdruck der Arme eingeben – Tragen Sie die gemessenen systolischen Werte für den linken und den rechten Oberarm ein.
- Systolischen Blutdruck der Knöchel erfassen – Geben Sie für jedes Bein den jeweils höchsten gemessenen systolischen Knöchelarteriendruck (A. tibialis posterior oder A. dorsalis pedis) ein.
- Ergebnis im ABI-Rechner auswerten – Der ABI-Rechner ermittelt automatisch den höheren Armblutdruck als Referenznenner und berechnet den ABI links, den ABI rechts sowie den durchschnittlichen Index.
- Befund einordnen – Vergleichen Sie die berechneten Werte mit der medizinischen Klassifikationstabelle, um festzustellen, ob ein unauffälliger Befund, eine arterielle Durchblutungsstörung oder eine Gefäßsteifigkeit vorliegt.
Falls Ihnen nur ein Armblutdruck vorliegt, tragen Sie diesen identisch für beide Arme in den ABI-Rechner ein.
Formel und medizinische Grundlagen des ABI-Rechners
Die mathematische Grundlage im ABI-Rechner basiert auf dem Verhältnis zwischen distalem Knöchelarteriendruck und zentralem Systemdruck am Oberarm:
$$\text{ABI}_{\text{Bein}} = \frac{\text{Höchster systolischer Druck am Knöchel des jeweiligen Beins}}{\max(\text{Systolischer Druck Arm links}, \text{Systolischer Druck Arm rechts})}$$
Warum der höhere Armdruck entscheidend ist
Liegt an einem Arm eine arterielle Einengung vor (beispielsweise eine Stenose der Arteria subclavia), fällt der gemessene Blutdruck an diesem Arm niedriger aus. Würde dieser niedrigere Wert als Nenner gewählt, fiele der Quotient künstlich zu hoch aus und eine Durchblutungsstörung an den Beinen bliebe unentdeckt. Der ABI-Rechner wählt daher nach internationalen gefäßmedizinischen Leitlinien immer das Maximum beider Armwerte als verlässlichen Referenzdruck.
Interpretation der ABI-Werte und Normalwerttabelle
Die Einordnung der Ergebnisse im ABI-Rechner folgt den standardisierten Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) und europäischen Kardiologie-Leitlinien:
| ABI-Wert | Medizinische Bewertung | Klinische Bedeutung & Maßnahmen |
|---|---|---|
| > 1,30 (bzw. > 1,40) | Falsch hoch / Inkompressibel | Verdacht auf Mediasklerose (Gefäßverkalkung), oft bei Diabetes; TBI empfohlen |
| 0,91 – 1,30 | Normalbefund | Unauffällige arterielle Durchblutung der unteren Extremitäten |
| 0,75 – 0,90 | Leichte pAVK | Beginnende Durchblutungsstörung; Lebensstilmodifikation, Risikofaktoren senken |
| 0,50 – 0,74 | Mittelschwere pAVK | Deutliche Claudicatio intermittens („Schaufensterkrankheit“); fachärztliche Abklärung |
| < 0,50 | Schwere pAVK | Kritische Extremitätenischämie, Ruheschmerz oder Nekrosegefahr; dringende Therapie nötig |
Praxisbeispiel zur Berechnung mit dem ABI-Rechner
Ein 62-jähriger Patient mit belastungsabhängigen Wadenschmerzen wird gefäßmedizinisch untersucht. Es werden folgende systolische Blutdruckwerte ermittelt:
- Rechter Arm: $135\text{ mmHg}$
- Linker Arm: $140\text{ mmHg}$ $\rightarrow$ Höchster Armwert (Nenner) = $140\text{ mmHg}$
- Rechter Knöchel: $112\text{ mmHg}$
- Linker Knöchel: $84\text{ mmHg}$
Eingesetzt in den ABI-Rechner ergeben sich:
$$\text{ABI}_{\text{rechts}} = \frac{112}{140} = 0{,}80 \quad (\text{Leichte pAVK})$$
$$\text{ABI}_{\text{links}} = \frac{84}{140} = 0{,}60 \quad (\text{Mittelschwere pAVK})$$
$$\text{ABI}_{\text{Durchschnitt}} = \frac{0{,}80 + 0{,}60}{2} = 0{,}70$$
Der ABI-Rechner verdeutlicht in diesem Beispiel eine beidseitige Durchblutungsstörung mit ausgeprägterem Befund am linken Bein.
Typische Einsatzbereiche und kardiovaskuläre Risikofaktoren
Der ABI-Rechner kommt in verschiedenen klinischen und präventiven Kontexten zum Einsatz:
- pAVK-Früherkennung: Identifikation von Gefäßverengungen bereits im beschwerdefreien Stadium (Fontaine-Stadium I).
- Kardiovaskuläres Risikoprofil: Ein erniedrigter ABI gilt als starker unabhängiger Marker für ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Diabetes-Vorsorge & diabetisches Fußsyndrom: Überprüfung der arteriellen Durchblutung bei diabetischen Patienten.
- Wundmanagement & Kompressionstherapie: Vor dem Anlegen starker Kompressionsverbände bei venösen Ulzera muss eine schwere pAVK per ABI ausgeschlossen werden.
- Verlaufskontrolle: Überprüfung des Therapieerfolgs nach Gefäßeingriffen (z. B. Ballondilatation, Stentimplantation oder Bypass).
Wichtige Hinweise und Grenzen des ABI-Rechners
Damit der ABI-Rechner aussagekräftige Resultate liefert, müssen die Blutdruckwerte unter standardisierten Bedingungen erhoben werden:
- 10-minütige Ruhephase: Der Patient muss vor der Messung entspannt in Rückenlage verweilen, um kreislaufbedingte Blutdruckschwankungen zu minimieren.
- Geeignete Messtechnik: Die Knöcheldruckmessung sollte mit einer stiftsförmigen Doppler-Ultraschallsonde (meist 5–8 MHz) durchgeführt werden, da herkömmliche automatische Oszillometer an den Knöchelarterien oft ungenaue Werte liefern.
- Einschränkung bei Mediasklerose: Bei stark verkalkten Arterienwänden lässt sich die Arterie durch die Manschette nicht komprimieren, was zu falsch hohen Werten führt. In solchen Fällen ist der ABI-Rechner nur eingeschränkt interpretierbar und erfordert alternative Methoden wie den Zehen-Arm-Index (TBI).
- Haftungsausschluss: Dieser ABI-Rechner dient der medizinischen Ausbildung und Information. Er ersetzt keine klinische Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung durch qualifizierte Gefäßspezialisten (Angiologen oder Gefäßchirurgen).