So nutzen Sie den DASI-Rechner
Der DASI-Rechner (Duke Activity Status Index) ist ein valides klinisches Instrument zur strukturierten Erfassung der funktionellen Belastbarkeit. Anhand von 12 alltagsnahen Aktivitäten schätzt der DASI-Rechner die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit, die maximale Sauerstoffaufnahme ($VO_2\text{ peak}$) und das metabolische Äquivalent (MET).
Wählen Sie im DASI-Rechner einfach alle Tätigkeiten aus, die ohne vorzeitigen Abbruch durch kardiale oder pulmonale Symptome (wie Angina Pectoris, Atemnot oder übermäßige Erschöpfung) selbstständig ausgeführt werden können:
- Selbstversorgung (2,75 Punkte): Essen, Anziehen, Baden oder Toilettengang.
- Gehen im Haus (1,75 Punkte): Selbstständiges Bewegen in Innenräumen.
- Gehen auf ebener Strecke (2,75 Punkte): 1 bis 2 Häuserblocks ebenerdig gehen.
- Treppensteigen / Bergaufgehen (5,50 Punkte): Eine Treppe hinaufsteigen oder einen Hügel bewältigen.
- Kurze Strecke rennen (8,00 Punkte): Kurzes Laufen oder Rennen.
- Leichte Hausarbeit (2,70 Punkte): Staubwischen, Abwaschen oder Bettenmachen.
- Mittelschwere Hausarbeit (3,50 Punkte): Staubsaugen, Boden wischen oder leichte Einkäufe tragen.
- Schwere Hausarbeit (8,00 Punkte): Böden schrubben oder schwere Möbel verschieben.
- Gartenarbeit (4,50 Punkte): Laub harken, Unkraut jäten oder Rasenmähen.
- Sexuelle Aktivität (5,25 Punkte): Geschlechtsverkehr ohne kardiale Limitierung.
- Mäßige Freizeitaktivitäten (6,00 Punkte): Tanzen, Bowling, Golf oder Doppeltennis.
- Anstrengender Sport (7,50 Punkte): Schwimmen, Einzeltennis, Joggen oder Skilanglauf.
Nach der Eingabe summiert der DASI-Rechner die Punktwerte der ausgewählten Aktivitäten automatisch auf und berechnet die abgeleiteten Parameter.
Formeln und Berechnungsmethode im DASI-Rechner
Die wissenschaftliche Grundlage des Fragebogens geht auf die wegweisende Publikation von Mark et al. (Duke University Medical Center, 1989) zurück. Der DASI-Rechner verwendet folgende Berechnungsformeln:
DASI-Score = Summe aller mit "Ja" beantworteten Aktivitätsgewichtungen
VO2 peak (ml/kg/min) = 0,43 × DASI-Score + 9,6
Geschätzte METs = VO2 peak ÷ 3,5
Gewichtung der 12 DASI-Aktivitäten
Jede Aktivität im DASI-Rechner ist mit einem empirisch ermittelten metabolischen Gewichtungsfaktor hinterlegt:
| Nr. | Erfasste Alltagsaktivität | Punktwert (Gewichtung) |
|---|---|---|
| 1 | Persönliche Selbstversorgung (Essen, Ankleiden, Waschen) | 2,75 |
| 2 | Gehen in der Wohnung / in Innenräumen | 1,75 |
| 3 | Gehen von 1–2 Häuserblocks auf ebener Straße | 2,75 |
| 4 | Eine Treppe hinaufsteigen oder bergauf gehen | 5,50 |
| 5 | Eine kurze Distanz rennen oder schnell laufen | 8,00 |
| 6 | Leichte Hausarbeiten (z. B. Staubwischen, Geschirrspülen) | 2,70 |
| 7 | Mittelschwere Hausarbeit (z. B. Staubsaugen, Wischen) | 3,50 |
| 8 | Schwere Hausarbeit (z. B. Böden schrubben, Möbel heben) | 8,00 |
| 9 | Gartenarbeiten (z. B. Rasenmähen, Laub rechen) | 4,50 |
| 10 | Geschlechtsverkehr | 5,25 |
| 11 | Mäßige Freizeitaktivitäten (z. B. Tanzen, Golf) | 6,00 |
| 12 | Anstrengende Sportarten (z. B. Schwimmen, Joggen) | 7,50 |
| Gesamt | Maximal erreichbare Punktzahl | 58,20 Punkte |
Klinische Interpretation und Risikostratifizierung
In der kardiologischen Praxis und präoperativen Risikobewertung liefert der DASI-Rechner entscheidende Hinweise auf die kardiorespiratorische Reserve:
| DASI-Score | Geschätzte METs | Funktionelle Kapazität | Klinische Einordnung |
|---|---|---|---|
| $\ge$ 34,0 Punkte | $\ge$ 7,0 METs | Hervorragend bis gut | Niedriges perioperatives kardiales Risiko; gute kardiopulmonale Belastbarkeit. |
| 15,0 – 33,9 Punkte | 4,0 – 6,9 METs | Mäßig | Mittlere funktionelle Kapazität; Alltagsanforderungen gut kompensiert. |
| $<$ 15,0 Punkte | $<$ 4,0 METs | Eingeschränkt | Erhöhtes perioperatives Risiko; engmaschige kardiologische Abklärung empfohlen. |
Ein Schwellenwert von $\ge 34$ Punkten im DASI-Rechner korreliert nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) mit einer guten funktionellen Belastbarkeit ($> 4$ bis 7 METs) und einem signifikant reduzierten Risiko für perioperative myokardiale Schäden bei nicht-kardialen Operationen.
Praxisbeispiel zur Berechnung mit dem DASI-Rechner
Ein 66-jähriger Patient mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) stellt sich zur präoperativen Untersuchung vor. Im DASI-Rechner gibt er an, folgende Tätigkeiten problemlos ausführen zu können:
- Selbstversorgung (+2,75)
- Gehen im Haus (+1,75)
- 1–2 Häuserblocks gehen (+2,75)
- Treppensteigen (+5,50)
- Leichte Hausarbeit (+2,70)
- Mittelschwere Hausarbeit (+3,50)
- Gartenarbeit (+4,50)
- Mäßige Freizeitaktivitäten (+6,00)
Berechnung: $$\text{DASI-Score} = 2,75 + 1,75 + 2,75 + 5,50 + 2,70 + 3,50 + 4,50 + 6,00 = 28,95\text{ Punkte}$$
$$\text{VO}_2\text{ peak} = 0,43 \times 28,95 + 9,6 = 12,45 + 9,6 = 22,05\text{ ml/kg/min}$$
$$\text{METs} = \frac{22,05}{3,5} \approx 6,30\text{ METs}$$
Ergebnis: Der DASI-Rechner ermittelt einen DASI-Score von 28,95 Punkten und eine geschätzte Leistungsfähigkeit von ca. 6,3 METs. Der Patient verfügt über eine moderate funktionelle Kapazität ($> 4$ METs), womit das perioperative kardiale Basisrisiko als beherrschbar eingestuft wird.
Klinische Einsatzbereiche für den DASI-Rechner
Der DASI-Rechner hat sich in zahlreichen kardiologischen und internistischen Fachgebieten etabliert:
- Präoperative Risikoevaluation: Schnelle Identifikation von Hochrisikopatienten vor elektiven viszeralchirurgischen oder orthopädischen Eingriffen.
- Kardiale Rehabilitation: Objektivierung von Leistungsverbesserungen nach Herzinfarkt, aortokoronarer Bypass-OP (ACBK) oder Klappeneingriffen.
- Verlaufskontrolle bei Herzinsuffizienz: Dokumentation der funktionellen Belastungsgrenzen bei chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klassifikation).
- Monitoring bei KHK & PAVK: Strukturierte Langzeitbeobachtung der alltagsrelevanten Belastungstoleranz.
Grenzen und klinische Hinweise
Obwohl der DASI-Rechner eine hervorragende Korrelation mit apparativen Ergometriebefunden aufweist, sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Selbstbeurteilung: Der DASI-Rechner stützt sich auf subjektive Patientenangaben; kognitive Einschränkungen oder Fehleinschätzungen können das Resultat beeinflussen.
- Symptomlimitierung: Nur Aktivitäten auswählen, die ohne Symptome wie Dyspnoe, pektanginöse Beschwerden oder Claudicatio intermittens bewältigt werden.
- Kein vollständiger Ersatz für CPET: Bei unklarem klinischem Bild oder Hochrisikokonstellationen bleibt die apparative Spiroergometrie der Goldstandard.