So nutzen Sie den Duke-Treadmill-Score-Rechner
Der Duke-Treadmill-Score-Rechner ermöglicht Kardiologen, Sportmedizinern und klinischem Fachpersonal eine strukturierte Auswertung nach einem durchgeführten Belastungs-EKG (Laufband-Ergometrie nach Bruce-Protokoll). Zur Ermittlung des kardiovaskulären Risikos geben Sie folgende Parameter ein:
- Belastungsdauer (Minuten) — Tragen Sie die absolvierte Gesamtzeit auf dem Laufband in Dezimalminuten ein (z. B. 8,5 Minuten bei 8 Minuten und 30 Sekunden).
- ST-Strecken-Abweichung (mm) — Geben Sie die maximale horizontale oder deszendierende ST-Streckensenkung (oder ST-Hebung) in Millimetern an (z. B. 1,5 mm).
- Symptomatik unter Belastung (Angina-Index) — Wählen Sie die passende Kategorie für während der Belastung aufgetretene ischämische Beschwerden aus (keine Symptome, nicht-limitierende Angina oder belastungslimitierende Angina).
- Optionale Vitalparameter — Tragen Sie bei Bedarf die maximale Herzfrequenz sowie Ruhe- und Spitzenblutdruck ein, um den hämodynamischen Kontext im Ergebnispanel zu vervollständigen.
- Ergebnis ablesen — Der Duke-Treadmill-Score-Rechner ermittelt unmittelbar den Summenscore und stuft den Befund in die entsprechende Risikokategorie ein.
Formel & Berechnungsgrundlage
Der Score wurde an der Duke University entwickelt und gilt als Goldstandard zur quantitativen Risikobeurteilung der koronaren Herzkrankheit (KHK). Die mathematische Formel im Duke-Treadmill-Score-Rechner lautet:
Duke-Treadmill-Score = Belastungsdauer (min) - (5 × ST-Abweichung in mm) - (4 × Angina-Index)
$$\text{DTS} = \text{Belastungszeit} - (5 \times \Delta\text{ST}) - (4 \times \text{Angina-Index})$$
Definition des Angina-Index:
- Wert 0 (Keine Symptome): Keine Angina pectoris oder pectanginösen Beschwerden während der Ergometrie.
- Wert 1 (Nicht-limitierend): Ischämietypische Brustschmerzen oder Dyspnoe traten auf, führten jedoch nicht zum Abbruch der Belastung.
- Wert 2 (Limitierend): Das Auftreten von Angina pectoris war der direkte Grund für den vorzeitigen Abbruch des Belastungstests.
Eine längere Belastungsdauer verbessert das Gesamtergebnis maßgeblich, während ausgeprägte ST-Strecken-Senkungen und belastungslimitierende Angina pectoris den Score stark reduzieren.
Risikogruppen & klinische Interpretation
Anhand des berechneten Summenwerts ordnet der Duke-Treadmill-Score-Rechner Patienten in drei prognostische Kategorien ein:
| Duke-Treadmill-Score | Risikogruppe | Geschätzte 5-Jahres-Überlebensrate | Jährliche Mortalität | Klinische Handlungsempfehlung |
|---|---|---|---|---|
| ≥ +5 | Niedriges Risiko | ca. 97–99 % | < 1 % pro Jahr | In der Regel keine invasive Diagnostik nötig; konservative medikamentöse Therapie und Lebensstilberatung. |
| -10 bis +4 | Mittleres Risiko | ca. 90–95 % | 1–3 % pro Jahr | Weiterführende Bildgebung (z. B. Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie, Kardio-CT) oder Koronarangiographie je nach Symptomen. |
| ≤ -11 | Hohes Risiko | ca. 79 % | > 3–5 % pro Jahr | Dringliche Indikation zur invasiven Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) zur Abklärung einer Mehrgefäß- oder Hauptstammstenose. |
Typische Anwendungsbereiche
Der Duke-Treadmill-Score-Rechner leistet in verschiedenen medizinischen Kontexten wertvolle Unterstützung:
- Kardiologische Praxis & Ambulanz — Schnelle Risikostratifizierung von Patienten mit unklaren Thoraxschmerzen nach dem Belastungstest.
- Kardiale Rehabilitation & Sportkardiologie — Beurteilung der kardiovaskulären Belastbarkeit und Trainingssteuerung nach akutem Koronarsyndrom.
- Patientenaufklärung — Anschauliche Erklärung, warum eine gute körperliche Fitness (lange Belastungszeit) geringfügige EKG-Veränderungen ausgleichen kann.
Klinische Limitationen
Für eine verlässliche Beurteilung sollten die Einschränkungen des Scores beachtet werden:
- Vorab bestehende EKG-Veränderungen: Bei Linksschenkelblock (LSB), Schrittmacherrhythmus, digitalisbedingten Repolarisationsstörungen oder Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) ist die ST-Strecken-Analyse des Belastungs-EKGs nicht aussagekräftig.
- Unvollständige Ausbelastung: Wurde der Test aus nicht-kardialen Gründen (z. B. orthopädische Probleme oder mangelnde Motivation) frühzeitig beendet, unterschätzt der Score unter Umständen die kardiale Reserve.
- Der Duke-Treadmill-Score-Rechner dient der Orientierung und ersetzt keine vollständige kardiologische Gesamtschau inklusive Echokardiographie, Laborchemie und Anamnese.