EORTC-Blasenkrebs-Rechner für Rezidiv & Progression

Berechnen Sie mit dem EORTC-Blasenkrebs-Rechner das 1- und 5-Jahres-Risiko für Rezidiv und Progression bei nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom (NMIBC).

844.0K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-20 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den EORTC-Blasenkrebs-Rechner

Der EORTC-Blasenkrebs-Rechner ist ein klinisch-orientiertes Risikotabellen-Tool für das nicht-muskelinvasive Harnblasenkarzinom (NMIBC, Stadien Ta, T1 und CIS). Das Berechnungsmodell basiert auf den international etablierten Risikotabellen der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC, Sylvester et al., 2006). Anhand von sechs histopathologischen und klinischen Parametern ermittelt der EORTC-Blasenkrebs-Rechner die individuelle Wahrscheinlichkeit für ein Tumorrezidiv und eine Tumorprogression nach einem und nach fünf Jahren.

Um den EORTC-Blasenkrebs-Rechner anzuwenden, wählen Sie die entsprechenden Befundkriterien aus dem pathologischen Befundbericht nach transurethraler Resektion der Blase (TUR-B) aus:

  1. Anzahl der Tumoren: Wählen Sie aus, ob ein einzelner Herd (solitär), 2 bis 7 Herde oder 8 und mehr Herde vorliegen.
  2. Maximale Tumorgröße: Geben Sie an, ob der größte gemessene Tumordurchmesser unter 3 cm oder bei $\ge 3\text{ cm}$ liegt.
  3. Bisherige Rezidivrate: Wählen Sie zwischen Primärtumor (Erstdiagnose), $\le 1\text{ Rezidiv pro Jahr}$ oder $> 1\text{ Rezidiv pro Jahr}$.
  4. T-Kategorie (Infiltrationstiefe): Bestimmen Sie das Stadium anhand der Histologie (Ta: auf Schleimhaut begrenzt; T1: Infiltration der Lamina propria).
  5. Begleitendes Carcinoma in situ (CIS): Geben Sie an, ob flache, hochmaligne Neoplasien der Blasenwand begleitend nachgewiesen wurden.
  6. Differenzierungsgrad (Grading): Wählen Sie die Einstufung nach WHO 1973 (G1 = gut differenziert, G2 = mäßig differenziert, G3 = schlecht differenziert).

Sobald alle Parameter ausgewählt sind, aktualisiert der EORTC-Blasenkrebs-Rechner unmittelbar die Ergebnisse für Rezidiv und Progression.

Formeln & Punktesystem des EORTC-Risikomodells

Der EORTC-Blasenkrebs-Rechner berechnet zwei getrennte Punktwerte für Rezidivrisiko und Progressionsrisiko:

Rezidiv-Punktwert = Punkte(Tumoranzahl) + Punkte(Tumorgröße) + Punkte(Rezidivrate) + Punkte(T-Kategorie) + Punkte(CIS) + Punkte(Grading)
Progressions-Punktwert = Punkte(Tumoranzahl) + Punkte(Tumorgröße) + Punkte(Rezidivrate) + Punkte(T-Kategorie) + Punkte(CIS) + Punkte(Grading)

Die Zuordnung der Punktwerte nach Sylvester et al. (2006) ist in der folgenden Übersicht aufgeschlüsselt:

Klinischer RisikofaktorAusprägungPunkte (Rezidiv)Punkte (Progression)
Anzahl der TumorenSolitär (1)00
2 bis 7 Tumoren33
$\ge 8$ Tumoren63
Tumordurchmesser$< 3\text{ cm}$00
$\ge 3\text{ cm}$33
Vorherige RezidivratePrimärtumor00
$\le 1\text{ Rezidiv/Jahr}$22
$> 1\text{ Rezidiv/Jahr}$42
T-KategorieTa00
T114
Begleitendes CISNein00
Ja16
Grading (WHO 1973)G100
G210
G325
Maximaler Gesamtscore0 – 17 Punkte0 – 23 Punkte

Aus den addierten Werten leitet der EORTC-Blasenkrebs-Rechner die statistische Wahrscheinlichkeit in Prozent für 1-Jahres- und 5-Jahres-Verläufe ab.

Risikotabellen für Rezidiv und Progression

Nach Ermittlung des jeweiligen Gesamtpunktwerts ordnet der EORTC-Blasenkrebs-Rechner den Fall einer standardisierten Risikogruppe zu:

1. Rezidivrisiko (Wiederauftreten des Blasentumors)

Rezidiv-ScoreRisikogruppe1-Jahres-Rezidivrate5-Jahres-Rezidivrate
0 PunkteNiedriges Risiko$15,%$ ($13,% - 17,%$)$31,%$ ($28,% - 35,%$)
1 – 4 PunkteIntermediäres Risiko (niedrig)$24,%$ ($21,% - 26,%$)$46,%$ ($42,% - 49,%$)
5 – 9 PunkteIntermediäres Risiko (hoch)$38,%$ ($35,% - 41,%$)$62,%$ ($58,% - 65,%$)
10 – 17 PunkteHohes Risiko$61,%$ ($55,% - 67,%$)$78,%$ ($73,% - 84,%$)

2. Progressionsrisiko (Muskelinvasion $\ge\text{T2}$)

Progressions-ScoreRisikogruppe1-Jahres-Progression5-Jahres-Progression
0 PunkteNiedriges Risiko$0{,}2,%$ ($0{,}0,% - 0{,}7,%$)$0{,}8,%$ ($0{,}3,% - 1{,}7,%$)
2 – 6 PunkteIntermediäres Risiko$1{,}0,%$ ($0{,}4,% - 1{,}6,%$)$6,%$ ($5,% - 8,%$)
7 – 13 PunkteHohes Risiko$5,%$ ($4,% - 7,%$)$17,%$ ($14,% - 20,%$)
14 – 23 PunkteSehr hohes Risiko$17,%$ ($10,% - 24,%$)$45,%$ ($35,% - 55,%$)

Praxisbeispiel: Befundauswertung nach TUR-B

Ein 64-jähriger Patient stellt sich nach einer transurethralen Blasentumorresektion mit folgendem histopathologischen Befund vor:

  • Befund: 3 Tumore nachgewiesen, größter Tumor $3{,}5\text{ cm}$, Primärtumor (kein Vorrezidiv), Stadium T1, kein begleitendes CIS, Grading G2.

Wird dieser klinische Fall in den EORTC-Blasenkrebs-Rechner eingegeben:

  • Rezidiv-Berechnung: 3 (Tumoranzahl) + 3 (Größe) + 0 (Primärtumor) + 1 (T1) + 0 (kein CIS) + 1 (G2) = 8 Punkte.
    • Ergebnis: Mittleres bis hohes Rezidivrisiko mit ca. $38,%$ 1-Jahres- und $62,%$ 5-Jahres-Rezidivwahrscheinlichkeit.
  • Progressions-Berechnung: 3 (Tumoranzahl) + 3 (Größe) + 0 (Primärtumor) + 4 (T1) + 0 (kein CIS) + 0 (G2) = 10 Punkte.
    • Ergebnis: Hohes Progressionsrisiko mit ca. $5,%$ 1-Jahres- und $17,%$ 5-Jahres-Progressionswahrscheinlichkeit.

Dank dieser Berechnung durch den EORTC-Blasenkrebs-Rechner kann das Behandlungsteam die Indikation für eine adjuvante Instillationstherapie mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) und engmaschige zystoskopische Kontrollen fundiert begründen.

Klinische Relevanz und therapeutische Konsequenzen

Der EORTC-Blasenkrebs-Rechner unterstützt Ärzte und Patienten in mehreren Behandlungsphasen:

  • Therapieentscheidung: Abgrenzung von Patienten, die lediglich eine Einmalinstillation (Frühinstillation) benötigen, gegenüber Patienten mit Indikation zur mehrwöchigen BCG-Erhaltungstherapie.
  • Nachsorgeplanung: Festlegung der Kontrollintervalle für die Zystoskopie (Blasenspiegelung) und Urinzytologie gemäß den Leitlinien der European Association of Urology (EAU).
  • Patientenaufklärung: Anschauliche Vermittlung von Risikofaktoren im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making).

Grenzen des Modells und moderne Weiterentwicklungen

Obwohl der EORTC-Blasenkrebs-Rechner weltweiter Standard in der Risikostratifizierung ist, sollten folgende Limitationen berücksichtigt werden:

  1. BCG-Therapie nicht berücksichtigt: Die zugrunde liegenden Studienkohorten erhielten keine moderne BCG-Erhaltungstherapie, weshalb das Progressionsrisiko bei behandelten Patienten tendenziell überschätzt werden kann.
  2. Pathologische Varianten: Seltene histologische Varianten (z. B. mikropapillär, sarkomatoid) oder lymphovaskuläre Invasion (LVI) werden im klassischen Score nicht abgebildet.
  3. WHO-Klassifikation: Das Modell nutzt das WHO-Grading von 1973 (G1–G3), während heute zusätzlich die WHO-Klassifikation von 2004/2016 (Low Grade vs. High Grade) verwendet wird.

Daher dient der EORTC-Blasenkrebs-Rechner als verlässliche Orientierungshilfe, ersetzt jedoch keinesfalls die individuelle Beurteilung durch einen Facharzt für Urologie.

Häufige Fragen zu EORTC-Blasenkrebs-Rechner für Rezidiv & Progression

Welche klinischen Angaben benötigt der EORTC-Blasenkrebs-Rechner?

Für die Berechnung werden sechs Parameter benötigt: Anzahl der Tumoren, maximale Tumorgröße (< 3 cm vs. ≥ 3 cm), vorherige Rezidivrate, T-Kategorie (Ta oder T1), begleitendes Carcinoma in situ (CIS) und das histologische Grading (G1, G2 oder G3 nach WHO 1973).

Wie werden die Ergebnisse des EORTC-Blasenkrebs-Rechners interpretiert?

Das Auswertungspanel zeigt die geschätzten Wahrscheinlichkeiten für ein Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) sowie eine Progression (Fortschreiten zu einem muskelinvasiven Stadium T2+) nach 1 Jahr und 5 Jahren, ergänzt durch den errechneten EORTC-Punktwert.

Worin liegt der Unterschied zwischen Rezidiv und Progression beim Blasenkarzinom?

Ein Rezidiv bezeichnet das erneute Auftreten eines Tumors im nicht-muskelinvasiven Stadium (Ta, T1, CIS). Eine Progression bedeutet das Fortschreiten des Tumors in tiefere Muskelschichten der Blasenwand (≥ T2) oder in ein aggressiveres Stadium.

Wie beeinflusst der EORTC-Score die urologische Nachsorge und Therapie?

Patienten mit niedrigem Risiko benötigen seltener Kontrollzystoskopien, während Patienten mit hohem Risiko von adjuvanten Instillationstherapien (wie BCG-Immuntherapie) und engmaschigen Kontrollen profitieren.

Werden meine eingegebenen medizinischen Daten gespeichert?

Nein. Alle Berechnungen erfolgen vollständig clientseitig im Webbrowser. Es werden keine Daten an einen externen Server übertragen oder gespeichert.