Frailty-Index-Rechner

Mit dem Frailty-Index-Rechner ermitteln Sie den Grad der Gebrechlichkeit nach dem Defizitmodell anhand von Mobilität, Vorerkrankungen, Ernährung und Stürzen.

978.8K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-25 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Frailty-Index-Rechner für das geriatrische Assessment

Der Frailty-Index-Rechner unterstützt medizinisches Fachpersonal, Pflegende und Angehörige bei der standardisierten Erfassung von Gebrechlichkeit (Frailty) im Alter. Das Instrument basiert auf dem wissenschaftlich validierten Defizit-Akkumulationsmodell nach Mitnitski und Kenneth Rockwood.

Um ein aussagekräftiges Ergebnis mit dem Frailty-Index-Rechner zu ermitteln, erfassen Sie das Vorliegen typischer gesundheitlicher Defizite:

  1. Mobilität & Kraft — Einschränkungen der Gehfähigkeit, verlangsamte Gehgeschwindigkeit und reduzierte Handgreifkraft.
  2. Körperliche Verfassung — Ungewollter Gewichtsverlust, ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue) und Mangelernährung.
  3. Kognition & Psyche — Gedächtnisprobleme, kognitive Einbußen und depressive Verstimmungen.
  4. Morbidität & Sicherheit — Mehrere chronische Vorerkrankungen (Multimorbidität) sowie eine positive Sturzanamnese.

Nach Auswahl der zutreffenden Kriterien ermittelt das System unmittelbar das Verhältnis aus vorhandenen Defiziten und allen untersuchten Kriterien.

Mathematische Formel & Berechnungsmethode

Das Berechnungsverfahren nutzt die mathematische Grundformel des Rockwood-Defizitmodells:

$$\text{Frailty-Index (FI)} = \frac{\text{Anzahl der vorhandenen Gesundheitsdefizite}}{\text{Anzahl der insgesamt erfassten Variablen}}$$

Als Prozentwert ausgedrückt:

$$\text{Frailty-Index (%)} = \left(\frac{\text{Vorhandene Defizite}}{\text{Gesamtanzahl Kriterien}}\right) \times 100%$$

Im klassischen geriatrischen Assessment umfasst der Index 30 bis 40 Variablen. In vereinfachten Screening-Settings fasst der Frailty-Index-Rechner die zentralen Kernkriterien zusammen, um eine verlässliche und zeitsparende Ersteinschätzung im Alltag zu ermöglichen.

Interpretation der Frailty-Kategorien

Frailty-Index (FI)ProzentbereichRisikobereich / EinstufungKlinische Bedeutung
< 0,10< 10 %Robust / FitGeringes Risiko für funktionellen Abbau, gute physiologische Reserve
0,10 – 0,2410 – 24 %Prä-frail (Vorgebrechlich)Leicht erhöhte Vulnerabilität, hohes Interventionspotenzial durch Prävention
0,25 – 0,3925 – 39 %Mild bis moderat frailRelevante Gebrechlichkeit, Unterstützungsbedarf im Alltag häufig erforderlich
≥ 0,40≥ 40 %Schwer frail (Severe Frailty)Hohe Abhängigkeit, erhöhtes Komplikations- und Hospitalisierungsrisiko

Ein Frailty-Index über 0,67 wird in der geriatrischen Fachliteratur als biologische Obergrenze beschrieben, da eine noch höhere Defizitakkumulation selten mit dem Überleben vereinbar ist.

Praxisbeispiel: Berechnung im klinischen Alltag

Ein 78-jähriger Patient stellt sich im Rahmen einer geriatrischen Routineuntersuchung vor. Von 10 erfassten Standardkriterien liegen bei ihm vor:

  • Eingeschränkte Mobilität
  • Ungewollter Gewichtsverlust (> 4 kg im letzten Halbjahr)
  • Chronische Multimorbidität (Hypertonie, Diabetes Typ 2, Arthrose)
  • Mindestens ein Sturz im vergangenen Jahr

Mit dem Frailty-Index-Rechner ergibt sich folgende Auswertung:

  • Vorhandene Defizite: 4
  • Erfasste Gesamtdefizite: 10
  • Berechnung: $\frac{4}{10} = 0{,}40$ bzw. 40 %
  • Interpretation: Das Ergebnis signalisiert eine ausgeprägte Gebrechlichkeit. Der behandelnde Arzt kann gezielte Interventionen wie Physiotherapie, Ernährungsoptimierung und eine Medikationsüberprüfung einleiten.

Typische Anwendungsbereiche in der Praxis

Dieses Bewertungsinstrument leistet wertvolle Unterstützung in unterschiedlichen Versorgungsbereichen der modernen Altersmedizin:

  • Geriatrisches Screening: Schnelle Identifikation von Risikopatienten vor größeren medizinischen Eingriffen.
  • Präoperative Risikostratifizierung: Einschätzung perioperativer Komplikationsrisiken unabhängig vom kalendarischen Alter.
  • Verlaufskontrolle in der Rehabilitation: Objektive Messung von Fortschritten nach gezieltem Muskelaufbau- und Sturzpräventionstraining.
  • Versorgungs- & Pflegeplanung: Strukturierte Entscheidungshilfe zur Feststellung des häuslichen Unterstützungsbedarfs.

Für verlässliche Verlaufsbeurteilungen sollte mit dem Frailty-Index-Rechner stets derselbe Kriterienkatalog herangezogen werden.

Häufige Fragen zu Frailty-Index-Rechner

Was genau misst der Frailty-Index nach Kenneth Rockwood?

Der Frailty-Index quantifiziert das biologische Alter und die Gebrechlichkeit durch das Verhältnis der vorhandenen gesundheitlichen Defizite zur Gesamtzahl der erfassten Kriterien (Defizit-Akkumulationsmodell).

Worin liegt der Unterschied zwischen Frailty Index und Clinical Frailty Scale (CFS)?

Die Clinical Frailty Scale (CFS) ist eine 9-stufige klinische Einschätzung für den Akutbereich, während der Frailty Index mathematisch aus einer standardisierten Liste von 30 bis 40 Einzelsymptomen und Vorerkrankungen berechnet wird.

Ab welchem Wert gilt eine Person als gebrechlich (frail)?

In der geriatrischen Fachliteratur gilt üblicherweise ein Frailty-Index von unter 0,10 als robust/fit, 0,10 bis 0,24 als prä-frail und Werte ab 0,25 als manifeste Gebrechlichkeit (Frailty).

Was tun, wenn einzelne Beurteilungskriterien unbekannt sind?

Es sollte stets ein möglichst vollständiges Assessment erfolgen. Werden Kriterien ausgelassen, muss die Gesamtzahl der erfassten Kriterien im Nenner der Formel entsprechend angepasst werden.

Kann sich ein erhöhter Frailty-Index wieder verbessern?

Ja, durch gezielte geriatrische Interventionen wie Krafttraining, Sturzprävention, Ernährungsoptimierung und Medikationsanpassungen können Defizite reduziert und die Selbstständigkeit stabilisiert werden.

Ersetzt der Online-Rechner eine umfassende geriatrische Begutachtung?

Nein, das Tool dient als strukturierte Orientierungshilfe. Eine verbindliche Diagnose und Therapieplanung erfordert immer ein umfassendes geriatrisches Assessment (CGA) durch qualifiziertes Fachpersonal.