Anleitung zur Nutzung: Eigenleitungskonzentrations-Rechner
Mit dem Eigenleitungskonzentrations-Rechner können Sie die intrinsische Ladungsträgerdichte ($n_i$) für Halbleitermaterialien wie Silizium (Si), Germanium (Ge) oder Galliumarsenid (GaAs) exakt ermitteln. Der Eigenleitungskonzentrations-Rechner verarbeitet die wesentlichen physikalischen Materialparameter und liefert neben dem Endergebnis auch alle relevanten Zwischenschritte der thermodynamischen Exponentialfunktion.
- Effektive Zustandsdichte im Leitungsband ($N_c$) eingeben: Tragen Sie den materialspezifischen Wert in $\text{cm}^{-3}$ ein (z. B. $2{,}8 \times 10^{19} \text{ cm}^{-3}$ für Silizium bei 300 K).
- Effektive Zustandsdichte im Valenzband ($N_v$) eingeben: Geben Sie den Wert in $\text{cm}^{-3}$ ein (z. B. $1{,}04 \times 10^{19} \text{ cm}^{-3}$ für Silizium bei 300 K).
- Bandlücke ($E_g$) festlegen: Geben Sie den Bandabstand in Elektronenvolt ($\text{eV}$) ein (z. B. $1{,}12 \text{ eV}$ für Silizium).
- Absolute Temperatur ($T$) bestimmen: Geben Sie die Temperatur in Kelvin ein (z. B. $300 \text{ K}$ für Raumtemperatur).
- Ergebnis analysieren: Der Eigenleitungskonzentrations-Rechner berechnet sofort die resultierende Eigenleitungskonzentration $n_i$ in $\text{cm}^{-3}$ sowie das geometrische Mittel $\sqrt{N_c N_v}$ und den Boltzmann-Faktor.
Formel und physikalische Grundlagen – Eigenleitungskonzentrations-Rechner
Der Eigenleitungskonzentrations-Rechner basiert auf der klassischen statistischen Halbleiterphysik im thermodynamischen Gleichgewicht:
ni = sqrt(Nc * Nv) * exp(-Eg / (2 * k * T))
Hierbei stehen die Symbole für folgende physikalische Größen:
- $n_i$: Eigenleitungskonzentration bzw. intrinsische Ladungsträgerdichte (in $\text{cm}^{-3}$)
- $N_c$: Effektive Zustandsdichte des Leitungsbands (in $\text{cm}^{-3}$)
- $N_v$: Effektive Zustandsdichte des Valenzbands (in $\text{cm}^{-3}$)
- $E_g$: Bandlücke bzw. Bandabstand des Halbleiters (in $\text{eV}$)
- $k$: Boltzmann-Konstante ($k_B \approx 8{,}617333 \times 10^{-5} \text{ eV/K}$)
- $T$: Absolute Temperatur (in $\text{Kelvin}$)
Massenwirkungsgesetz und Dotierung
In einem undotierten (intrinsischen) Halbleiter entstehen freie Ladungsträger ausschließlich durch thermische Generation paarweise als Elektron-Loch-Paare. Es gilt exakt $n = p = n_i$. Durch das fundamentale Massenwirkungsgesetz bleibt das Produkt aus Elektronenkonzentration $n$ und Löcherkonzentration $p$ auch bei dotierter Halbleitermaterie im thermischen Gleichgewicht konstant:
n * p = ni^2
Steigt die Temperatur eines dotierten Halbleiterbauelements übermäßig an, wächst $n_i$ exponentiell. Übersteigt die thermische Eigenleitungskonzentration die Dotierstoffkonzentration, geht das Bauteil in die Eigenleitung über und verliert seine Funktion als pn-Übergang.
Typische Referenzwerte bei Raumtemperatur (300 K)
| Halbleitermaterial | Bandlücke $E_g$ (eV) | $N_c$ ($\text{cm}^{-3}$) | $N_v$ ($\text{cm}^{-3}$) | Eigenleitungskonzentration $n_i$ ($\text{cm}^{-3}$) |
|---|---|---|---|---|
| Silizium (Si) | $1{,}12$ | $2{,}8 \times 10^{19}$ | $1{,}04 \times 10^{19}$ | $\approx 1{,}0 \times 10^{10}$ |
| Germanium (Ge) | $0{,}66$ | $1{,}04 \times 10^{19}$ | $6{,}0 \times 10^{18}$ | $\approx 2{,}4 \times 10^{13}$ |
| Galliumarsenid (GaAs) | $1{,}42$ | $4{,}7 \times 10^{17}$ | $7{,}0 \times 10^{18}$ | $\approx 2{,}1 \times 10^{6}$ |
Der Eigenleitungskonzentrations-Rechner verdeutlicht anschaulich, warum Germanium aufgrund seiner geringeren Bandlücke einen viel höheren Leckstrom aufweist als Silizium oder GaAs.
Anwendungsbereiche für den Eigenleitungskonzentrations-Rechner
- Studium und Lehre: Studierende der Physik, Elektrotechnik und Mikrosystemtechnik nutzen den Eigenleitungskonzentrations-Rechner, um die Auswirkung von Temperatur- und Bandlückenvariationen transparent nachzuvollziehen.
- Halbleiterentwicklung & Bauelementesimulation: Schnelle Plausibilitätsprüfungen für Dioden, MOSFETs, Bipolartransistoren und Photodioden.
- Solarzellenforschung: Bestimmung des thermodynamischen Rekombinationsverhaltens und der Leerlaufspannung in Photovoltaik-Zellen.
- Prüfung thermischer Grenzen: Mit dem Eigenleitungskonzentrations-Rechner lässt sich genau abschätzen, bei welcher Maximaltemperatur ein dotierter Silizium-Chip durch Eigenleitungsausfall unbrauchbar wird.