So nutzen Sie den Light-Kriterien-Rechner
Der Light-Kriterien-Rechner unterstützt Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal bei der präzisen Differenzierung von Pleuraergüssen in Exsudate und Transsudate nach einer diagnostischen Thorakozentese. Geben Sie dazu die zeitgleich entnommenen Laborwerte aus Blutserum und Pleuraflüssigkeit ein:
- Serum- und Pleura-Protein — Tragen Sie die Gesamteiweißkonzentration im Serum sowie im Punktat ein (in g/dl oder g/l).
- Serum- und Pleura-LDH — Geben Sie die Laktatdehydrogenase-Aktivität im Serum und in der Pleuraflüssigkeit in U/l ein.
- Oberer Serum-LDH-Referenzwert (ULN) — Tragen Sie die spezifische obere Normgrenze (Upper Limit of Normal) Ihres Referenzlabors ein.
- Ergebnis analysieren — Das Tool berechnet automatisch den Protein-Quotienten, den LDH-Quotienten sowie den Schwellenwert von zwei Dritteln der oberen Serum-LDH-Norm.
Ein Pleuraerguss gilt als Exsudat, sobald mindestens eines der drei Kriterien positiv ist. Sind alle drei Bedingungen negativ, stuft der Light-Kriterien-Rechner das Punktat als Transsudat ein.
Formeln & medizinische Grundlagen der Light-Kriterien
Die diagnostische Einordnung im Light-Kriterien-Rechner folgt der klassischen, 1972 von Dr. Richard Light beschriebenen Regel zur Beurteilung pleuraler Flüssigkeitsansammlungen:
Klassifikation als Exsudat bei Erfüllung von mindestens 1 Kriterium:
1. Pleura-Protein / Serum-Protein > 0,5
2. Pleura-LDH / Serum-LDH > 0,6
3. Pleura-LDH > 2/3 × oberer Referenzwert der Serum-LDH (ULN)
Pathophysiologische Einordnung: Exsudat vs. Transsudat
Die Unterscheidung ist der fundamentale erste Schritt im diagnostischen Pfad bei unklaren pleuralen Ergüssen:
- Exsudat (lokale Ursache): Entsteht durch eine gesteigerte vaskuläre Permeabilität oder einen gestörten Lymphabfluss infolge lokaler Entzündungen, Infektionen (z. B. parapneumonischer Erguss, Pleuraempyem, Pleuritis, Tuberkulose) oder maligner Prozesse (z. B. Bronchialkarzinom, Pleuramesotheliom, Mammakarzinom).
- Transsudat (systemische Ursache): Entsteht durch ein physikalisches Ungleichgewicht zwischen hydrostatischem und kolloidosmotischem Druck bei strukturell intakter Gefäßwand. Typische Ursachen sind dekompensierte Linksherzinsuffizienz, Leberzirrhose mit Aszites und hepatischem Hydrothorax oder nephrotisches Syndrom bei Proteinverlust.
Sensitivität und Limitationen bei Diuretika-Therapie
Die Light-Kriterien zeichnen sich durch eine sehr hohe Sensitivität von etwa 95 bis 98 Prozent aus, wodurch entzündliche und maligne Prozesse im Pleuraspalt zuverlässig erkannt werden.
Allerdings kann bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz unter laufender Diuretika-Therapie ein Transsudat durch therapeutischen Flüssigkeitsentzug fälschlicherweise als Exsudat eingestuft werden (sogenanntes Pseudo-Exsudat). In solchen Zweifelsfällen empfiehlt sich die ergänzende Bestimmung des Serum-Pleura-Albumin-Gradienten (Serum-Albumin minus Pleura-Albumin):
- Albumin-Gradient > 1,2 g/dl (> 12 g/l): Spricht stark für ein Transsudat trotz positiv gewerteter Kriterien.
- Albumin-Gradient ≤ 1,2 g/dl: Bestätigt das Vorliegen eines echten Exsudats.
Typische Anwendungsbereiche für den Light-Kriterien-Rechner
In der täglichen klinischen Praxis bietet der Light-Kriterien-Rechner strukturierte Orientierung:
- Point-of-Care-Diagnostik auf Station & Intensivstation — Schnelle Auswertung unmittelbar nach Erhalt der Punktatlaborwerte am Patientenbett.
- Pneumologische & internistische Differenzialdiagnostik — Strukturierte Weichenstellung für gezielte weiterführende Untersuchungen (z. B. Zytologie, Mikrobiologie, Pleurabiopsie oder Thorakoskopie).
- Klinische Dokumentation — Transparente und nachvollziehbare Erfassung der Quotienten im Entlassungsbrief und in der elektronischen Patientenakte.
- Medizinstudium & Weiterbildung — Der Light-Kriterien-Rechner unterstützt angehende Ärztinnen und Ärzte beim Verinnerlichen der pathophysiologischen Kriterien der Pleuradiagnostik.