So nutzen Sie den qSOFA-Score-Rechner
Der qSOFA-Score-Rechner (quick Sequential Organ Failure Assessment) dient dem medizinischen Personal im Rettungsdienst, in der Notaufnahme und auf peripheren Stationen zur schnellen Früherkennung von Patienten mit Infektionsverdacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf oder eine Sepsis besteht.
Die Erhebung der Parameter umfasst drei einfache klinische Schritte:
- Atemfrequenz eingeben — Tragen Sie die gemessene Atemfrequenz in Atemzügen pro Minute ein. Liegt der Wert bei $\ge 22/\text{min}$, wird 1 Punkt vergeben.
- Systolischen Blutdruck erfassen — Geben Sie den systolischen Blutdruck in mmHg an. Ein Wert von $\le 100,\text{mmHg}$ addiert 1 Punkt.
- Bewusstseinszustand beurteilen — Wählen Sie aus, ob eine Vigilanzminderung oder ein Glasgow Coma Scale (GCS) Score unter 15 vorliegt (1 Punkt).
- Ergebnis interpretieren — Das Tool summiert die Punkte unmittelbar. Ein Gesamtwert von $\ge 2$ Punkten gilt als Alarmsignal für ein relevantes Sepsis-Risiko.
Kriterien & Berechnungsgrundlage im qSOFA-Score-Rechner
Die wissenschaftliche Grundlage im qSOFA-Score-Rechner basiert auf den internationalen Sepsis-3-Konsensuskriterien (2016). Im Gegensatz zum klassischen SOFA-Score erfordert der Quick-SOFA keine aufwendigen Laboruntersuchungen und kann direkt am Krankenbett in Sekundenschnelle erhoben werden.
qSOFA-Score = Atemfrequenz-Kriterium + Blutdruck-Kriterium + Bewusstseins-Kriterium
1. Atemfrequenz ≥ 22 / min = 1 Punkt
2. Systolischer Blutdruck ≤ 100 mmHg = 1 Punkt
3. Verändertes Bewusstsein (GCS < 15) = 1 Punkt
Punkteskala: 0 bis 3 Punkte
Übersicht der drei klinischen Parameter
| Parameter | Schwellenwert für 1 Punkt | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Tachypnoe (Atemfrequenz) | $\ge 22,\text{Atemzüge/min}$ | Häufigstes und frühestes Kompensationszeichen bei systemischer Entzündung und Azidose |
| Hypotonie (Blutdruck) | Systolisch $\le 100,\text{mmHg}$ | Hinweis auf beginnende Kreislaufinsuffizienz oder Vasodilatation |
| Enzephalopathie (GCS) | Glasgow Coma Scale $< 15$ | Zeichen einer zerebralen Minderperfusion oder septischen Enzephalopathie |
Klinische Interpretation und Risikoeinstufung
Die klinische Risikobeurteilung unterscheidet primär zwischen zwei wesentlichen Bereichen:
- Score 0 bis 1 Punkt (Niedriges bis moderates Risiko): Es liegt aktuell kein positiver qSOFA vor. Ein Sepsis-Verdacht ist dadurch jedoch nicht ausgeschlossen. Bei klinischer Verschlechterung muss der Score erneut erhoben werden.
- Score 2 bis 3 Punkte (Positiver qSOFA / Hohes Risiko): Es besteht ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Organversagen, verlängerten Aufenthalt auf der Intensivstation sowie erhöhte Letalität. Es sollten umgehend diagnostische Maßnahmen (z. B. Blutgasanalyse, Serumlaktat, Blutkulturen, Fokussuche) und therapeutische Schritte (Flüssigkeitsgabe, zeitnahe Antibiose) eingeleitet werden.
Typische Anwendungsbereiche für den qSOFA-Score-Rechner
In der Akut- und Notfallmedizin bietet der qSOFA-Score-Rechner praxisnahe Unterstützung:
- Notaufnahme & Triage — Schnelle Risikostratifizierung von fieberhaften Patienten bei der Ersteinschätzung.
- Rettungsdienst & Präklinik — Früherkennung kritisch kranker Patienten vor dem Eintreffen im Zielkrankenhaus.
- Normalstation — Strukturierte Verlaufsbeobachtung bei Patienten mit Pneumonie, Harnwegsinfekt oder postoperativen Infektionen.
- Medizinische Ausbildung — Die praktische Anwendung verdeutlicht angehenden Medizinern und Pflegekräften die Bedeutung einfacher Vitalparameter.
Grenzen und klinische Besonderheiten
Trotz seiner Schnelligkeit besitzt der qSOFA-Score-Rechner Grenzen, die beachtet werden müssen:
- Kein eigenständiges Diagnosetool: Der Score diagnostiziert keine Sepsis, sondern dient als Alarmsignal (Screening) zur Risikoabschätzung.
- Eingeschränkte Sensitivität: Patienten mit beginnender Sepsis können zunächst einen Score von unter 2 aufweisen. Daher wird in Leitlinien häufig die Kombination mit weiterführenden Frühwarnsystemen wie dem NEWS2 (National Early Warning Score) empfohlen.
- Kontextabhängigkeit: Vorbestehende chronische Erkrankungen (wie chronische Hyperkapnie bei COPD oder Demenz) können die Basiskriterien beeinflussen.