Radarhorizont-Rechner

Mit dem Radarhorizont-Rechner ermitteln Sie die Radarreichweite und Sichtlinie aus Antennen- und Zielhöhe präzise nach dem 4/3-Erdradius-Modell online.

985.7K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-07 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Radarhorizont-Rechner

Der Radarhorizont-Rechner ermittelt sekundenschnell die geometrische Sichtverbindung (Line-of-Sight, LOS) zwischen einer Radarsendeantenne und einem Zielobjekt über der gekrümmten Erdoberfläche. Ob für die marine Navigation, Flugsicherung, Richtfunkplanung oder militärische Funktechnik – der Radarhorizont-Rechner liefert Ihnen präzise Reichweiten:

  1. Radarantennenhöhe ($h_1$) eingeben — Tragen Sie die Montagehöhe der Radarantenne über dem Meeresspiegel oder Grund ein (z. B. Mast- oder Turmhöhe) und wählen Sie die gewünschte Höheneinheit (Meter, Fuß, Kilometer).
  2. Zielhöhe ($h_2$) festlegen — Geben Sie die Höhe des zu erfassenden Objekts an (z. B. Flughöhe eines Flugzeugs, Höhe eines Schiffaufbaus oder $0\text{ m}$ für den Boden-/Wasserhorizont).
  3. Ergebnisse in Echtzeit analysieren — Der Radarhorizont-Rechner berechnet unmittelbar den gesamten Radarhorizont, die jeweiligen Einzelhorizonte sowie die Distanz in Kilometern, Seemeilen (Nautical Miles) und Landmeilen.
  4. Schritte & Umrechnungen nachvollziehen — Über das Detailpanel im Radarhorizont-Rechner können Sie alle Zwischenschritte, Einheitentransformationen und Formelanwendungen transparent überprüfen.

Der Radarhorizont-Rechner arbeitet vollständig clientseitig im Browser, sodass Sie verschiedene Höhenkonfigurationen verzögerungsfrei vergleichen können.

Physikalische Grundlagen & Formeln zur Radarhorizont-Berechnung

Elektromagnetische Wellen im Radarbereich breiten sich in homogener Atmosphäre annähernd geradlinig aus. Durch die Krümmung der Erde entsteht ein geometrischer Schattenbereich. Der Radarhorizont-Rechner kombiniert die Erdkrümmungsgeometrie mit der atmosphärischen Standardrefraktion:

1. Geometrischer Horizont ohne Refraktion (Optischer Horizont)

Für ein kugelförmiges Erdmodell mit dem mittleren Erdradius $R_0 \approx 6.371\text{ km}$ gilt nach dem Satz des Pythagoras für kleine Höhen $h \ll R_0$:

$$d_{\text{geo}} = \sqrt{2 \cdot R_0 \cdot h + h^2} \approx \sqrt{2 \cdot R_0 \cdot h}$$

Setzt man $R_0 = 6.371\text{ km}$ und $h$ in Metern ein, ergibt sich für den rein geometrischen Horizont:

$$d_{\text{geo}}(\text{km}) \approx 3{,}57 \cdot \sqrt{h(\text{m})}$$

2. Atmosphärische Refraktion und der 4/3-Erdradius ($k$-Faktor)

In der realen Erdatmosphäre sinken Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit zunehmender Höhe, wodurch der optische Brechungsindex $n$ abnimmt. Dadurch erfahren Mikrowellen eine kontinuierliche Krümmung nach unten in Richtung der Erdoberfläche.

Um diese Strahlenkrümmung geometrisch zu vereinfachen, führt man den effektiven Erdradius $R_{\text{eff}} = k \cdot R_0$ ein. Für eine mittlere Standardatmosphäre nach ITU-R Empfehlungen gilt der Faktor $k = \frac{4}{3} \approx 1{,}333$:

$$R_{\text{eff}} = \frac{4}{3} \cdot 6.371\text{ km} \approx 8.495\text{ km}$$

Mit diesem vergrößerten Erdradius berechnet der Radarhorizont-Rechner die effektive Radarreichweite:

$$d_{\text{radar}}(\text{km}) \approx \sqrt{2 \cdot R_{\text{eff}} \cdot h} \approx \sqrt{2 \cdot 8.495 \cdot \frac{h}{1000}} \approx 4{,}12 \cdot \sqrt{h(\text{m})}$$

Der Radarhorizont liegt somit ca. 15 % weiter entfernt als der optische Sichthorizont ($4{,}12 / 3{,}57 \approx 1{,}154$).

3. Gesamte Sichtverbindung zwischen Radar und Ziel

Befinden sich sowohl die Radarantenne auf der Höhe $h_1$ als auch das Ziel auf der Höhe $h_2$, addieren sich die Distanzen bis zu ihrem gemeinsamen Berührungspunkt mit der Erdtangente. Der Radarhorizont-Rechner nutzt hierfür die Summenformel:

$$d_{\text{gesamt}}(\text{km}) \approx 4{,}12 \cdot \left(\sqrt{h_1(\text{m})} + \sqrt{h_2(\text{m})}\right)$$

4. Faustformeln für nautische und angloamerikanische Einheiten

In der zivilen und militärischen Luft- sowie Seefahrt werden Distanzen häufig in Seemeilen ($\text{NM}$) und Höhen in Fuß ($\text{ft}$) angegeben:

$$d_{\text{gesamt}}(\text{NM}) \approx 1{,}23 \cdot \left(\sqrt{h_1(\text{ft})} + \sqrt{h_2(\text{ft})}\right)$$

$$d_{\text{gesamt}}(\text{Statute Miles}) \approx 1{,}41 \cdot \left(\sqrt{h_1(\text{ft})} + \sqrt{h_2(\text{ft})}\right)$$

Unser Radarhorizont-Rechner führt alle Einheitentransformationen automatisch durch.

Vergleich: Optischer Horizont vs. Radarhorizont unter verschiedenen Atmosphären

Die atmosphärische Schichtung variiert je nach Wetterlage und geografischer Region. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Bedingungen auf die Ergebnisse im Radarhorizont-Rechner auswirken:

AusbreitungstypBrechungsfaktor ($k$)Horizont-Faktor ($d/\sqrt{h}$)Charakteristik & Wetterbedingung
Optischer Horizont$k = 1{,}00$$\approx 3{,}57$Rein geometrische Sichtlinie ohne Wellenbeugung
Subrefraktion$k < 1{,}00$$< 3{,}57$Warme feuchte Luft über kalter trockener Luft; verkürzte Reichweite
Standardatmosphäre$k = 4/3 \approx 1{,}33$$\approx 4{,}12$Normalzustand gemischter Luftmassen (Basis für den Radarhorizont-Rechner)
Superrefraktion$k > 1{,}33$$> 4{,}12$Starke Bodeninversion; erweiterte Radarreichweite über den Horizont
Ducting (Wellenleitung)$k \gg 2{,}00$extrem hochMikrowellen fangen sich in atmosphärischen Grenzschichten

Praxisbeispiele zur Berechnung der Radarreichweite

Praxisbeispiel 1: Schiffsnavigationsradar auf See

Ein Frachtschiff besitzt eine Navigationsradarantenne auf der Mastspitze in $25\text{ m}$ Höhe über der Wasseroberfläche ($h_1 = 25\text{ m}$). Ein vorausfahrendes Segelboot hat einen Radarreflektor in $9\text{ m}$ Höhe ($h_2 = 9\text{ m}$):

  • Horizont der Schiffantenne: $d_1 = 4{,}12 \cdot \sqrt{25} = 4{,}12 \cdot 5 = 20{,}60\text{ km}$ ($11{,}12\text{ NM}$)
  • Horizont des Segelboots: $d_2 = 4{,}12 \cdot \sqrt{9} = 4{,}12 \cdot 3 = 12{,}36\text{ km}$ ($6{,}67\text{ NM}$)
  • Gesamte Erfassungsdistanz: $d_{\text{gesamt}} = 20{,}60 + 12{,}36 = 32{,}96\text{ km}$ ($17{,}79\text{ NM}$)

Im Radarhorizont-Rechner erhalten Sie diese Distanzen inklusive Meilenumrechnung mit einem Klick.

Praxisbeispiel 2: Flugsicherungsradar und tief fliegendes Flugzeug

Eine Bodenradarstation der Flugsicherung steht auf einem Hügel in $100\text{ m}$ Höhe ($h_1 = 100\text{ m}$). Ein Verkehrsflugzeug fliegt in $10.000\text{ m}$ Reiseflughöhe ($h_2 = 10.000\text{ m}$):

  • Horizont der Bodenstation: $d_1 = 4{,}12 \cdot \sqrt{100} = 4{,}12 \cdot 10 = 41{,}2\text{ km}$
  • Horizont des Flugzeugs: $d_2 = 4{,}12 \cdot \sqrt{10.000} = 4{,}12 \cdot 100 = 412{,}0\text{ km}$
  • Maximale theoretische Erfassungsdistanz: $d_{\text{gesamt}} = 41{,}2 + 412{,}0 = 453{,}2\text{ km}$ ($244{,}7\text{ NM}$)

Sinkt das Flugzeug auf $100\text{ m}$ ab, verringert sich die Erfassungsreichweite drastisch auf $82{,}4\text{ km}$, was die Bedeutung von Radarabdeckungskarten verdeutlicht.

Typische Einsatzbereiche für den Radarhorizont-Rechner

Der Radarhorizont-Rechner ist ein unverzichtbares Planungswerkzeug in verschiedenen technischen Anwendungsgebieten:

  • Schifffahrt & Seefahrt: Berechnung der Mindesthöhe von Radarantennen zur Kollisionsvermeidung und Tonnenortung.
  • Flugsicherung & Luftraumüberwachung: Ermittlung von Radarschattenzonen bei bergigem Gelände und Bestimmung von Mindesterfassungshöhen.
  • Telekommunikation & Richtfunk: Überprüfung von Sichtverbindungen (Line-of-Sight) und 1. Fresnelzone bei Richtfunkstrecken über weite Distanzen.
  • Amateurfunk & VHF/UHF/SHF-DX: Vorhersage von troposphärischen Reichweiten bei VHF- und UHF-Funkverbindungen.
  • Militärische Lagebilderstellung & Küstenschutz: Dimensionierung von Küstenüberwachungsradaren gegen tieffliegende Flugkörper und kleine Überwasserziele.

Nutzen Sie den Radarhorizont-Rechner für fundierte Berechnungen, verlässliche Ausbreitungsprognosen und praxisnahe Machbarkeitsprüfungen.

Häufige Fragen zu Radarhorizont-Rechner

Was ist der Radarhorizont und wie unterscheidet er sich vom optischen Horizont?

Der Radarhorizont beschreibt die maximale geometrische Reichweite für elektromagnetische Wellen (Line-of-Sight), bevor sie durch die Erdkrümmung verdeckt werden. Da Funk- und Radarwellen in der Erdatmosphäre durch den mit der Höhe abnehmenden Brechungsindex nach unten gebeugt werden (atmosphärische Refraktion), reicht der Radarhorizont unter Standardbedingungen etwa 15 % weiter als der rein optische geometrische Sichthorizont.

Welche mathematische Formel nutzt der Radarhorizont-Rechner?

Der Radarhorizont-Rechner verwendet die anerkannte Näherungsgleichung für eine Standardatmosphäre mit 4/3-Erdradius: d(km) ≈ 4,12 × (√h1 + √h2), wobei h1 die Antennenhöhe und h2 die Zielhöhe in Metern darstellen. Für nautische Berechnungen lautet die Formel d(NM) ≈ 1,23 × (√h1 + √h2) bei Höhenangaben in Fuß.

Warum rechnet man mit dem 4/3-Erdradius (k-Faktor)?

In der Standardatmosphäre nimmt die Luftdichte und damit der Brechungsindex mit steigender Höhe gleichmäßig ab. Dies führt zu einer kontinuierlichen Krümmung des Radarstrahls zur Erdoberfläche hin. Mathematisch lässt sich diese Strahlenkrümmung exakt abbilden, indem man eine geradlinige Ausbreitung über einer fiktiven Erde mit einem um den Faktor k = 4/3 vergrößerten Radius (ca. 8.500 km statt 6.371 km) annimmt.

Kann man den Radarhorizont durch höhere Sendeleistung überwinden?

Nein. Der Radarhorizont ist eine physikalisch-geometrische Schattengrenze der direkten Sichtlinie. Befindet sich ein Zielobjekt vollständig unterhalb des Horizonts im Schattenbereich der Erde, erreichen herkömmliche Mikrowellenradare das Ziel nicht – unabhängig von der Sendeleistung. Ziele hinter dem Horizont können nur mit speziellen Over-the-Horizon-Radaren (OTH) über ionosphärische Reflexion oder Bodenwellen erfasst werden.

Welche Rolle spielt die Zielhöhe bei der Sichtverbindung?

Die maximale Erfassungsdistanz ist die Summe aus dem Horizont der Radarantenne und dem Horizont des Zielobjekts. Je höher ein Flugzeug oder Schiffsmast aufragt, desto früher ragt es über den Krümmungshorizont der Radarantenne hinaus und wird erfasst.

Wie beeinflussen Inversionswetterlagen und Ducting die Radarreichweite?

Bei starken Temperaturinversionen oder Feuchtigkeitssprüngen in Meeresnähe kann anomale Ausbreitung (Superrefraktion oder atmosphärisches Ducting) auftreten. Die Radarwellen werden dabei wie in einem Hohlleiter um die Erdkrümmung geführt, wodurch die tatsächliche Reichweite die berechnete Standarddistanz um ein Vielfaches übertreffen kann.

Werden meine Eingaben auf einem externen Server gespeichert?

Nein. Alle Berechnungen im Radarhorizont-Rechner finden direkt lokal in Ihrem Webbrowser statt. Es werden keine Messwerte, Koordinaten oder Höhenprofile übertragen.