RCRI-Score-Rechner

Mit dem RCRI-Score-Rechner bestimmen Sie das perioperative kardiale Risiko anhand des Lee-Index schnell und präzise vor nicht-kardiochirurgischen Eingriffen.

843.3K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-20 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den RCRI-Score-Rechner

Der RCRI-Score-Rechner (Revised Cardiac Risk Index / Lee-Index) ermöglicht Anästhesisten, Chirurgen und Klinikern eine verlässliche präoperative Einschätzung des kardialen Risikos vor elektiven, nicht-kardiochirurgischen Operationen. Das Tool basiert auf einer binären Checkliste aus sechs klinischen Prädiktoren:

  1. Hochrisiko-Operation – Wählen Sie diese Option, wenn ein intraperitonealer, intrathorakaler oder suprainguinaler vaskulärer Eingriff (z. B. Aortenaneurysma-OP, Ösophagusresektion oder große Laparotomie) geplant ist.
  2. Ischämische Herzerkrankung – Zutreffend bei Zustand nach Myokardinfarkt, gesicherter koronarer Herzkrankheit (KHK), pathologischem Belastungs-EKG, Angina pectoris oder regelmäßiger Einnahme von Nitraten.
  3. Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte – Zu aktivieren bei dokumentierter chronischer Herzinsuffizienz, Lungenödem, paroxysmaler nächtlicher Dyspnoe oder bekannt hochgradig reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion.
  4. Zerebrovaskuläre Vorerkrankung – Zutreffend bei anamnestisch bekanntem ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall sowie stattgehabter transitorischer ischämischer Attacke (TIA).
  5. Insulinpflichtiger Diabetes mellitus – Wählen Sie dieses Feld aus, wenn der Patient zur Blutzuckereinstellung regelmäßig Insulin spritzt (diätetisch oder rein oral behandelter Diabetes zählt hier als 0 Punkte).
  6. Erhöhtes Serumkreatinin – Zutreffend bei einem laborchemisch nachgewiesenen präoperativen Serumkreatininwert von über $2{,}0\text{ mg/dL}$ (bzw. $> 177,\mu\text{mol/L}$).

Nach Auswahl der zutreffenden Kriterien zeigt der RCRI-Score-Rechner sofort die Gesamtsumme der Risikopunkte sowie die zugehörige Risikogruppe (Klasse I bis IV) an.

Medizinische Grundlagen und Formel des Lee-Index

Die Berechnung im RCRI-Score-Rechner folgt der von Thomas H. Lee et al. (1999) publizierten und vielfach validierten Methodik. Jedem vorliegenden Risikofaktor wird genau ein Punkt zugeordnet:

$$\text{RCRI-Score} = \sum_{i=1}^{6} \text{Risikofaktor}_i \quad (\text{Wertebereich: } 0 \text{ bis } 6 \text{ Punkte})$$

Das Modell ermittelt die Wahrscheinlichkeit für schwere perioperative kardiale Ereignisse (Major Adverse Cardiac Events, MACE). Hierzu zählen postoperativer Myokardinfarkt, kardiales Lungenödem, ventrikuläre Tachyarrhythmien, Herzstillstand und höhergradige atrioventrikuläre Blockierungen.

Risikotabelle nach Lee (Originalstudie vs. moderne Validierung)

Die Einteilung der Ergebnisse im RCRI-Score-Rechner erfolgt in vier Risikoklassen:

RCRI-PunkteLee-KlasseKardiale MACE-Rate (Lee et al.)RisikokategorieKlinische Einschätzung
0 PunkteKlasse Ica. $0{,}4,%$Sehr niedrigRoutinemäßige präoperative Vorbereitung ohne kardiale Zusatzdiagnostik
1 PunktKlasse IIca. $0{,}9,%$ ($1{,}0,%$)NiedrigStandardüberwachung, Überprüfung der kardiovaskulären Medikation
2 PunkteKlasse IIIca. $6{,}6,%$ ($5{,}0,%$)Intermediär / MittelErweiterte kardiale Evaluation (z. B. Biomarker wie NT-proBNP) erwägen
$\ge 3$ PunkteKlasse IVca. $11{,}0,%$ ($> 9,%$)HochFachkardiologische Abklärung, präoperative Optimierung und Intensivüberwachung

Klinisches Praxisbeispiel zur Risikoberechnung

Ein 71-jähriger Patient stellt sich zur präoperativen Vorbereitung vor einer elektiven Kolonresektion (großer abdomineller Eingriff) vor. In der Anamnese finden sich:

  • Geplante OP: Hemikolektomie links $\rightarrow$ Hochrisiko-Eingriff (+1 Punkt)
  • Typ-2-Diabetes: seit 8 Jahren mit Insulintherapie eingestellt $\rightarrow$ Insulinpflichtiger Diabetes (+1 Punkt)
  • Vorerkrankung: TIA vor 3 Jahren ohne verbleibendes Defizit $\rightarrow$ Zerebrovaskuläre Erkrankung (+1 Punkt)
  • Kardiologie / Labor: Keine KHK-Symptome, keine Herzinsuffizienz, Serumkreatinin $1{,}2\text{ mg/dL}$ $\rightarrow$ jeweils 0 Punkte

Im RCRI-Score-Rechner ergibt sich:

$$\text{RCRI-Score} = 1 + 1 + 1 = 3 \text{ Punkte} \quad (\text{Lee-Klasse IV, hohes kardiales Risiko})$$

Dank der Auswertung mit dem RCRI-Score-Rechner veranlasst das perioperative Team eine Bestimmung kardialer Biomarker (Troponin und NT-proBNP), eine kardiologische Mitbeurteilung und plant ein postoperatives Monitoring auf der Überwachungsstation ein.

Typische Einsatzbereiche des Lee-Index in der Praxis

Der RCRI-Score-Rechner ist ein zentraler Baustein in der perioperativen Medizin:

  • Prämedikationsambulanz & Anästhesie: Strukturierte Dokumentation und standardisierte Erfassung kardiovaskulärer Risiken vor Narkosen.
  • Interdisziplinäre OP-Planung: Unterstützung bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Chirurgie, Anästhesie und Kardiologie.
  • Leitliniengerechte Diagnostikpfade: Orientierung gemäß den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) und der European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC) zur Indikation weiterführender Bildgebung (Echokardiographie) oder Funktionstests.
  • Klinische Ausbildung: Vermittlung der sechs relevanten Kernfaktoren für das kardiale Operationsrisiko an Medizinstudenten und Assistenzärzte.

Wichtige Limitationen des klinischen Scores

Bei der Nutzung vom RCRI-Score-Rechner sollten folgende Rahmenbedingungen beachtet werden:

  • Ausschluss reiner Herzchirurgie: Der Index ist für nicht-herzchirurgische Eingriffe kalibriert und gilt nicht für herzchirurgische Operationen (für diese existieren spezifische Scores wie der EuroSCORE II).
  • Keine Berücksichtigung der funktionellen Kapazität: Neben dem Wert im RCRI-Score-Rechner muss stets die körperliche Belastbarkeit des Patienten (in metabolischen Äquivalenten, MET) bewertet werden. Ein Patient, der ohne Atemnot zwei Stockwerke zügig treppauf steigen kann ($> 4\text{ MET}$), hat eine günstigere Prognose.
  • Dringlichkeit des Eingriffs: Bei vitalen Notfalloperationen darf die notwendige chirurgische Versorgung nicht durch zeitraubende Risikoscores verzögert werden.
  • Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser RCRI-Score-Rechner dient ausschließlich Lehr- und Informationszwecken und ersetzt nicht die klinische Urteilskraft des betreuenden Facharztes.

Häufige Fragen zu RCRI-Score-Rechner

Welche 6 Kriterien erfasst der RCRI-Score-Rechner?

Der RCRI-Score-Rechner berücksichtigt sechs unabhängige Prädiktoren: Hochrisiko-Eingriff (z. B. intraperitoneal, intrathorakal, vaskulär), ischämische Herzerkrankung (KHK), Herzinsuffizienz in der Anamnese, zerebrovaskuläre Vorerkrankung (Schlaganfall/TIA), insulinpflichtiger Diabetes mellitus sowie präoperatives Serumkreatinin über 2,0 mg/dL (177 µmol/L).

Wie wird das Ergebnis im RCRI-Score-Rechner interpretiert?

Jeder zutreffende Risikofaktor zählt genau einen Punkt (Gesamtscore 0 bis 6). 0 Punkte stehen für Klasse I (sehr niedriges kardiales Risiko), 1 Punkt für Klasse II (niedriges Risiko), 2 Punkte für Klasse III (intermediäres/mittleres Risiko) und 3 oder mehr Punkte für Klasse IV (hohes perioperatives Komplikationsrisiko).

Wofür steht die Abkürzung RCRI in der Medizin?

RCRI steht für Revised Cardiac Risk Index, im deutschsprachigen Raum auch als Lee-Index oder revidierter kardialer Risikoindex nach Thomas H. Lee bekannt.

Ersetzt der RCRI-Score-Rechner eine kardiologische Konsultation?

Nein. Der RCRI-Score-Rechner dient als evidenzbasierte Orientierungshilfe zur präoperativen Risikostratifizierung. Bei auffälligem Score oder unklarer kardialer Leistungsfähigkeit (unter 4 METs) sind weiterführende kardiologische Untersuchungen gemäß ESC-Leitlinien indiziert.

Werden eingegebene Patientendaten im RCRI-Score-Rechner gespeichert?

Nein. Alle Berechnungen erfolgen vollständig clientseitig im Webbrowser. Es werden zu keinem Zeitpunkt Daten an einen Server übermittelt oder gespeichert.