So nutzen Sie den RSBI-Rechner
Der RSBI-Rechner (auch bekannt als Yang-Tobin-Index-Rechner) dient dem medizinischen Fachpersonal auf der Intensivstation zur schnellen Quantifizierung des Atemmusters bei beatmeten Patienten. Zur Ermittlung des Scores sind lediglich zwei klinische Messwerte erforderlich:
- Atemfrequenz eingeben — Tragen Sie die spontane Atemfrequenz $f$ in Atemzügen pro Minute ein (z. B.
22). - Tidalvolumen eingeben — Geben Sie das durchschnittliche exspiratorische Atemzugvolumen $V_T$ in Litern ein (z. B.
0,40für 400 ml). - Ergebnis auswerten — Der RSBI-Rechner berechnet unmittelbar den Quotienten und gleicht das Ergebnis mit dem Referenzschwellenwert von 105 ab.
[!IMPORTANT] Geben Sie das Atemzugvolumen stets in Litern ein. Beträgt das gemessene Tidalvolumen beispielsweise 450 ml, tragen Sie im Eingabefeld den Wert
0,45ein.
Formel & Methodik im RSBI-Rechner
Die Berechnung des Index folgt der 1991 von Karl Yang und Martin J. Tobin definierten Formel für den Rapid Shallow Breathing Index:
RSBI = Atemfrequenz (Atemzüge/min) ÷ Tidalvolumen (l)
Klinische Rechenbeispiele
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Beispiel 1 (günstiges Atemmuster): Ein Patient atmet während des Spontanatmungsversuchs mit einer Frequenz von 20/min und einem Tidalvolumen von 0,40 l (400 ml). Im RSBI-Rechner ergibt sich: $$\text{RSBI} = \frac{20}{0{,}40} = 50\text{ min}^{-1}\text{l}^{-1}$$ Dieser Wert liegt deutlich unter 105 und spricht für ein effizientes Atemmuster.
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Beispiel 2 (schnelle, flache Atmung): Eine Patientin zeigt eine Frequenz von 32/min bei einem Atemzugvolumen von lediglich 250 ml (0,25 l). Der RSBI-Rechner ermittelt: $$\text{RSBI} = \frac{32}{0{,}25} = 128\text{ min}^{-1}\text{l}^{-1}$$ Das Ergebnis über 105 signalisiert eine respiratorische Erschöpfung.
Interpretation und Weaning-Schwellenwerte
Der RSBI-Rechner ordnet das Atemmuster anhand der etablierten Schwellenwerte der Intensivmedizin ein:
| RSBI-Bereich | Atemmuster | Klinische Einschätzung für das Weaning |
|---|---|---|
| < 105 | Effiziente Spontanatmung | Günstig für Weaning und erfolgreiche Extubation |
| ≥ 105 | Schnelle, flache Atmung (Rapid Shallow Breathing) | Erhöhtes Risiko für Weaning-Versagen; Re-Evaluation nötig |
Ein Anstieg des Index im Verlauf eines Spontanatmungsversuchs (SBT) zeigt an, dass die Atemarbeit zunimmt und die Atemmuskulatur ermüdet.
[!NOTE] Der RSBI-Rechner liefert einen wertvollen Anhaltspunkt, darf aber nie als alleiniges Entscheidungskriterium für eine Extubation dienen. Faktoren wie Sauerstoffgasaustausch, Sekretlast, Hustenkraft, neurologischer Status und Kreislaufstabilität müssen stets mitberücksichtigt werden.
Klinische Einflussfaktoren bei der RSBI-Messung
Für eine aussagekräftige Erhebung sollten folgende Aspekte beachtet werden:
- Beatmungsunterstützung: Hohe Druckunterstützungen vergrößern das Tidalvolumen künstlich und verfälschen das Ergebnis. Die Messung erfolgt optimalerweise am T-Stück oder unter minimalem CPAP.
- Geschlecht & Körpergröße: Frauen weisen physiologisch kleinere Lungenvolumina auf, weshalb der Index auch bei stabiler Spontanatmung etwas höher ausfallen kann.
- Obstruktive Lungenerkrankungen: Bei Patienten mit COPD kann eine dynamische Hyperinflation vorliegen, sodass serielle Verlaufsmessungen aussagekräftiger sind als ein einzelner Punktwert.
Typische Einsatzbereiche für den RSBI-Rechner
Der RSBI-Rechner unterstützt Ärzte, Atmungstherapeuten und Pflegefachkräfte in folgenden Bereichen:
- Intensivstation (ITS) — Täglicher Spontanatmungsversuch zur Feststellung der Extubationsbereitschaft.
- Weaning-Zentren — Verlaufskontrolle bei schwieriger oder prolongierter Beatmungsentwöhnung.
- Klinische Ausbildung — Vermittlung der Atemmechanik und der Bedeutung des schnellen, flachen Atemmusters.