So nutzen Sie den TIMI-Score-STEMI-Rechner
Der TIMI-Score-STEMI-Rechner dient der evidenzbasierten Risikostratifizierung von Patientinnen und Patienten mit einem akuten ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI). Anhand standardisierter klinischer Parameter ermittelt das Tool am Patientenbett oder in der Notaufnahme eine verlässliche Schätzung des kurzfristigen Mortalitätsrisikos innerhalb von 30 Tagen nach dem Infarktereignis.
Für eine präzise Auswertung erfassen Sie folgende Parameter bei Erstkontakt:
- Alter des Patienten — Wählen Sie die passende Alterskategorie (< 65 Jahre, 65–74 Jahre oder ≥ 75 Jahre) aus.
- Hämodynamische Vitalparameter — Geben Sie den systolischen Blutdruck in mmHg sowie die Herzfrequenz in Schlägen pro Minute (bpm) ein.
- Klinische Risikofaktoren & Anamnese — Markieren Sie Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie oder vorbekannte Angina pectoris.
- Schweregrad der Herzinsuffizienz (Killip-Klassifikation) — Wählen Sie aus, ob klinische Zeichen einer Linksherzinsuffizienz (Killip-Klasse II bis IV) vorliegen.
- Körpergewicht & EKG-Territorium — Erfassen Sie das Körpergewicht (Schwellenwert < 67 kg) sowie das Vorliegen einer anterioren ST-Strecken-Hebung oder eines Linksschenkelblocks (LSB).
- Reperfusionszeitfenster — Geben Sie an, ob die Zeitspanne von Symptombeginn bis zur Reperfusionstherapie mehr als 4 Stunden betrug.
Klinische Kriterien und Punktevergabe
Die wissenschaftliche Grundlage für dieses Prognosemodell stammt aus der prospektiven Validierung der InTIME-II-Studie (Thrombolysis in Myocardial Infarction). Die einzelnen Risikokriterien sind multivariat gewichtet:
| Risikokriterium | Definition / Befund | Punkte |
|---|---|---|
| Alter ≥ 75 Jahre | Höchstes Altersrisiko | +3 |
| Alter 65–74 Jahre | Mittleres Altersrisiko | +2 |
| Systolischer Blutdruck < 100 mmHg | Hypotension bei Aufnahme | +3 |
| Herzfrequenz > 100 bpm | Tachykardie bei Aufnahme | +2 |
| Killip-Klasse II–IV | Rasselgeräusche, Lungenödem oder kardiogener Schock | +2 |
| Vorerkrankungen / Anamnese | Diabetes, Hypertonie oder Angina pectoris in der Vorgeschichte | +1 |
| Körpergewicht < 67 kg | Geringes Körpergewicht als prognostischer Risikofaktor | +1 |
| Anteriorer STEMI oder LSB | Vorderwandinfarkt oder kompletter Linksschenkelblock im 12-Kanal-EKG | +1 |
| Behandlungsverzögerung > 4 h | Zeitspanne von Symptombeginn bis Reperfusion (PCI / Lyse) | +1 |
Der maximale Summenscore beträgt 14 Punkte.
Risikostratifizierung und 30-Tage-Mortalität
Der vom TIMI-Score-STEMI-Rechner ermittelte Summenwert korreliert direkt mit der statistischen 30-Tage-Mortalität:
| TIMI-Score (Punkte) | Risikokategorie | Geschätzte 30-Tage-Mortalität |
|---|---|---|
| 0 | Sehr niedrig | ca. 0,8 % |
| 1 | Niedrig | ca. 1,6 % |
| 2 | Niedrig | ca. 2,2 % |
| 3 | Moderat | ca. 4,4 % |
| 4 | Moderat | ca. 7,3 % |
| 5 | Erhöht | ca. 12,4 % |
| 6 | Hoch | ca. 16,1 % |
| 7 | Hoch | ca. 23,4 % |
| 8 | Sehr hoch | ca. 26,8 % |
| > 8 | Kritisches Risiko | bis zu 35,9 % |
Formel und Berechnungsmethode im TIMI-Score-STEMI-Rechner
Der Algorithmus addiert die gewichteten Einzelpunkte nach folgendem mathematischen Schema:
TIMI-Score = Alters-Punkte + Hämodynamik-Punkte (Blutdruck + Herzfrequenz) + Killip-Punkte + Anamnese-Punkte + Gewichts-Punkte + EKG-Punkte + Zeitfaktor-Punkte
Einsatzbereiche und klinische Grenzen
In der Akutkardiologie und Notfallmedizin leistet der TIMI-Score-STEMI-Rechner wertvolle Orientierung:
- Schockraum & Chest Pain Unit (CPU) — Schnelle Identifikation von Hochrisikopatienten mit akutem Überwachungsbedarf.
- Intensiv- und Intermediate-Care-Station (ICU/IMC) — Unterstützung bei der Festlegung der Überwachungsdauer und invasiver Monitoring-Entscheidungen.
- Interdisziplinäre Notfallteams — Standardisierte Risikokommunikation zwischen Notärzten, Notaufnahme und Herzkatheterlabor.
- Klinische Lehre & Weiterbildung — Schulung von Assistenzärzten und Studierenden bei der systematischen Beurteilung akuter Koronarsyndrome (ACS).
Klinischer Hinweis: Der TIMI-Score-STEMI-Rechner dient als didaktisches und unterstützendes Instrument zur Risikostratifizierung. Er ersetzt keine individuelle klinische Diagnostik, keine kardiologische Notfallbeurteilung und darf die unverzügliche Indikationsstellung zur primären perkutanen Koronarintervention (PCI) keinesfalls verzögern.