Tinetti-Test-Rechner

Mit dem Tinetti-Test-Rechner berechnen Sie Balance-Score, Gangscore und Sturzrisiko im geriatrischen Assessment präzise, standardisiert und sekundenschnell.

997.1K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-25 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Tinetti-Test-Rechner

Der Tinetti-Test-Rechner dient der strukturierten und fehlerfreien Erfassung des standardisierten geriatrischen Mobilitätstests (Tinetti Performance-Oriented Mobility Assessment, kurz POMA). Das Tool aggregiert die Einzelbewertungen aus dem Gleichgewichts- und dem Gangteil automatisch zu einem evidenzbasierten Gesamtergebnis:

  1. Gleichgewichtstest (POMA-B) ausfüllen — Bewerten Sie die 9 Balance-Aufgaben (Sitzstabilität, Aufstehvorgang, Stehsicherheit, Stabilität bei Provokation und Drehung sowie Hinsetzen) mit den entsprechenden Punkten (0 bis maximal 2 Punkte je Item).
  2. Gangtest (POMA-G) erfassen — Beobachten Sie das Gangbild über eine Gehstrecke von mindestens drei Metern und bewerten Sie die 7 Gangmerkmale wie Schrittlänge, Schritthöhe, Schrittsymmetrie, Kontinuität und Rumpfstabilität.
  3. Ergebnis & Risikoklasse ablesen — Der Tinetti-Test-Rechner berechnet unmittelbar die Teilscores sowie die Gesamtsumme und stuft das Sturzrisiko in die entsprechende klinische Kategorie ein.

Durch die digitale Auswertung mit dem Tinetti-Test-Rechner sparen Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten und Ärzte wertvolle Zeit bei der Dokumentation im klinischen Alltag.

Formel & Aufbau des Tinetti-Assessments

Die Berechnung des Tinetti-Scores folgt einer additiven Punktwertlogik. Der Tinetti-Test-Rechner ermittelt die Gesamtpunktzahl anhand der beiden klinischen Teilbereiche:

$$\text{Tinetti-Gesamtpunktzahl} = \text{Gleichgewichtsscore (max. 16)} + \text{Gangscore (max. 12)}$$

$$\text{Maximal erreichbare Punktzahl} = 16 + 12 = 28\text{ Punkte}$$

1. Gleichgewichtsteil (Balance – POMA-B, max. 16 Punkte)

  • Sitzbalance: Stabil ohne Anlehnen (1 Pkt.) vs. unsicher/nach einer Seite geneigt (0 Pkt.).
  • Aufstehen vom Stuhl: Ohne Zuhilfenahme der Arme in einer Bewegung (2 Pkt.), mit Armeinsatz (1 Pkt.), nicht ohne Hilfe möglich (0 Pkt.).
  • Aufstehversuche: Gelingt im ersten Versuch (1 Pkt.) vs. benötigt mehrere Versuche (0 Pkt.).
  • Balance unmittelbar nach dem Aufstehen (erste 5 Sekunden): Sicher ohne Hilfsmittel/Schwanken (2 Pkt.), sicher mit Gehhilfe oder leicht schwankend (1 Pkt.), unsicher (0 Pkt.).
  • Stehsicherheit (geschlossene Füße): Sicher bei enger Standbasis (2 Pkt.), breitbasiger Stand nötig (1 Pkt.), unsicher (0 Pkt.).
  • Nudge-Test (leichter Stoß gegen das Brustbein): Patient fängt den Stoß stabil ab (2 Pkt.), macht Ausfallschritte (1 Pkt.), verliert das Gleichgewicht (0 Pkt.).
  • Stehen mit geschlossenen Augen: Sicher und stabil (1 Pkt.) vs. schwankend oder unsicher (0 Pkt.).
  • 360-Grad-Drehung: Kontinuierliche Schritte (1 Pkt.) und sicherer Stand dabei (1 Pkt., max. 2 Pkt.).
  • Hinsetzen: Flüssige, kontrollierte Bewegung (2 Pkt.), unsauber/plumpst in den Stuhl (1 Pkt.), verfehlt Sitzfläche (0 Pkt.).

2. Gangteil (Gait – POMA-G, max. 12 Punkte)

  • Ganginitiierung: Unmittelbarer Start ohne Zögern (1 Pkt.) vs. verzögerter Beginn (0 Pkt.).
  • Schrittlänge & Schritthöhe (rechts & links getrennt): Fuß schwingt über die Standbeinlinie hinaus und hebt vollständig vom Boden ab (jeweils 1 Pkt. pro Seite).
  • Schrittsymmetrie: Schrittlänge beider Beine gleichmäßig (1 Pkt.) vs. ungleiche Schrittlänge (0 Pkt.).
  • Schrittkontinuität: Flüssiges, unterbrechungsfreies Gehen (1 Pkt.) vs. stockender Gang (0 Pkt.).
  • Wegabweichung: Geradliniger Verlauf ohne Abweichung von der Gehlinie (2 Pkt.), leichte Abweichung (1 Pkt.), deutliches Abdriften (0 Pkt.).
  • Rumpfstabilität: Kein Schwanken, Beugen oder Ausgleichsbewegungen des Rumpfes (2 Pkt.), leichtes Schwanken (1 Pkt.), erhebliche Rumpfinstabilität (0 Pkt.).
  • Schrittbreite (Standbasis): Fersen berühren sich beim Gehen fast (1 Pkt.) vs. breitbeiniges Gehen mit deutlichem Fersenabstand (0 Pkt.).

Interpretation der Punktwerte & Sturzrisiko

Der Tinetti-Test-Rechner ordnet das berechnete Gesamtergebnis in drei international anerkannte Risikobereiche ein:

GesamtpunktzahlRisikokategorieKlinische Interpretation & Handlungsempfehlung
24 – 28 PunkteGeringes SturzrisikoAltersentsprechende Mobilität; keine unmittelbaren Einschränkungen im Alltag; präventive Bewegungsförderung empfohlen.
19 – 23 PunkteModerates SturzrisikoErhöhte Sturzgefahr; gezielte Physiotherapie (Kraft- und Balancetraining), Überprüfung von Gehhilfen und Wohnraumanpassung indiziert.
< 19 PunkteHohes SturzrisikoErhebliche Gang- und Standunsicherheit; hohes Risiko für Stürze und Frakturen; engmaschige Sturzprophylaxe, Hilfsmittelversorgung und Betreuung erforderlich.

Praxisbeispiel: Klinische Auswertung im Pflegeheim

Eine 81-jährige Bewohnerin einer geriatrischen Einrichtung wird nach einem leichten Sturzereignis untersucht. Die Pflegefachkraft führt das Assessment durch und nutzt den Tinetti-Test-Rechner:

  • Gleichgewichtstest: Die Bewohnerin benötigt beim Aufstehen die Arme (1 Pkt.), steht mit leichter Breitbeinigkeitsneigung (1 Pkt.), fängt den Stoßtest mit Ausfallschritt ab (1 Pkt.) und erreicht im POMA-B insgesamt 10 von 16 Punkten.
  • Gangtest: Die Ganginitiierung ist verzögert (0 Pkt.), die Schrittlänge links verkürzt (0 Pkt.), das Gangbild flüssig, aber leicht schwankend (1 Pkt.), woraus ein POMA-G von 7 von 12 Punkten resultiert.
  • Gesamtergebnis: Der Tinetti-Test-Rechner summiert $10 + 7 = 17\text{ Punkte}$.
  • Klinisches Fazit: Bei einem Score von 17 Punkten liegt ein hohes Sturzrisiko vor. Es werden gezieltes Gleichgewichtstraining, ein Rollatortraining sowie eine Überprüfung der sedierenden Medikation veranlasst.

Klinische Anwendungsbereiche des Tinetti-Tests

Der Tinetti-Test-Rechner ist ein unverzichtbares Instrument in zahlreichen medizinischen und pflegerischen Fachbereichen:

  • Geriatrie & Altersmedizin: Standardmäßiger Bestandteil des umfassenden geriatrischen Assessments (CGA) bei stationärer Aufnahme und Entlassung.
  • Physiotherapie & Rehabilitation: Objektive Verlaufskontrolle zur Evaluation von physiotherapeutischen Trainingsprogrammen und Gangschulungen.
  • Stationäre & ambulante Pflege: Identifikation sturzgefährdeter Senioren zur leitliniengerechten Umsetzung des Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege.
  • Neurologie & Orthopädie: Beurteilung funktioneller Defizite bei Morbus Parkinson, Schlaganfall, Polyneuropathie oder nach Hüft- und Kniegelenksersatz.

Mit dem digitalen Tinetti-Test-Rechner steht Fachkräften ein schnelles, zuverlässiges und kostenloses Hilfsmittel zur Verfügung, um Mobilitätseinschränkungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Präventionsmaßnahmen einzuleiten.

Häufige Fragen zu Tinetti-Test-Rechner

Was misst der Tinetti-Test (POMA) genau?

Der Tinetti-Test (Performance-Oriented Mobility Assessment) erfasst systematisch die statische Balance sowie dynamische Gangmerkmale älterer Menschen, um die funktionelle Mobilität objektiv zu quantifizieren und das individuelle Sturzrisiko verlässlich einzuschätzen.

Wie viele Punkte können im Tinetti-Test maximal erreicht werden?

Die maximale Gesamtpunktzahl beträgt 28 Punkte. Sie setzt sich aus maximal 16 Punkten im Gleichgewichtsteil (Balance) und maximal 12 Punkten im Gangteil (Gait) zusammen.

Ab welcher Punktzahl liegt laut Tinetti-Test ein hohes Sturzrisiko vor?

Eine Gesamtpunktzahl von unter 19 Punkten weist auf ein hohes Sturzrisiko hin. Werte zwischen 19 und 23 Punkten deuten auf ein moderates Sturzrisiko hin, während 24 bis 28 Punkte für ein geringes Sturzrisiko und eine weitgehend unauffällige Mobilität sprechen.

Dürfen Patienten während des Tests eine Gehhilfe benutzen?

Ja, gewohnte Gehhilfen wie Gehstock, Unterarmgehstützen oder Rollator dürfen verwendet werden. Die Nutzung des Hilfsmittels muss jedoch im Befundbogen dokumentiert werden, um die Vergleichbarkeit bei Verlaufsuntersuchungen zu gewährleisten.

Wie lange dauert die Durchführung des Tinetti-Mobilitätstests?

Die standardisierte Durchführung dauert in der Regel etwa 10 bis 15 Minuten und erfordert lediglich einen stabilen Stuhl ohne Armlehnen, eine Stoppuhr und eine ebene Gehstrecke von mindestens drei bis fünf Metern.

Welcher Unterschied besteht zwischen dem Tinetti-Test und dem Timed Up and Go (TUG)?

Der TUG-Test ist ein zeitbasiertes Schnellscreening der Basismobilität. Der Tinetti-Test analysiert hingegen differenzierte motorische Teilkomponenten wie Rumpfkontrolle, Schrittsymmetrie und Drehstabilität, wodurch sich spezifische Interventionsansätze präziser ableiten lassen.