Wahre-Dehnung-Rechner

Mit dem Wahre-Dehnung-Rechner berechnen Sie die wahre und logarithmische Dehnung aus Ausgangs- und Endlänge oder der technischen Dehnung schnell und präzise.

822.9K Berechnungen Aktualisiert · 2026-05-09 Lokale Ausführung · Kein Daten-Upload
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So nutzen Sie den Wahre-Dehnung-Rechner

Der Wahre-Dehnung-Rechner ermöglicht Ihnen die schnelle und fehlerfreie Ermittlung der wahren Dehnung (auch logarithmische Dehnung oder Hencky-Dehnung) für werkstofftechnische Analysen und Umformberechnungen:

  1. Berechnungsmodus wählen — Wählen Sie im Tool zwischen dem Modus Ausgangs- & Endlänge oder Technische Dehnung.
  2. Längeneinheit festlegen — Bei Eingabe von Längenmaßen wählen Sie die passende Einheit (Millimeter, Zentimeter, Meter oder Zoll). Die Software rechnet alle Werte automatisch um.
  3. Ausgangswerte eingeben — Geben Sie die Ausgangslänge $L_0$ und Endlänge $L$ oder den Nennwert der technischen Dehnung $e$ ein.
  4. Ergebnisse ablesen — Das Rechenprogramm ermittelt unmittelbar die wahre Dehnung $\varepsilon_w$, das Längenverhältnis $L/L_0$, die absolute Längenänderung $\Delta L$ und die technische Dehnung mitsamt detaillierten Rechenschritten.

Formeln & physikalische Grundlagen — Wahre-Dehnung-Rechner

In der Festkörpermechanik und Werkstoffprüfung beschreibt der Wahre-Dehnung-Rechner die Formänderung eines Körpers bezogen auf dessen jeweilige Momentanlänge. Während die technische Dehnung $e = \Delta L / L_0$ die Dehnrate linear auf den Ausgangszustand normiert, integriert die logarithmische Dehnung alle infinitesimalen Längenänderungen $\mathrm{d}L$ entlang des Verformungspfades:

$$\varepsilon_w = \int_{L_0}^{L} \frac{\mathrm{d}L}{L} = \ln\left(\frac{L}{L_0}\right)$$

Setzt man das Streckverhältnis $\lambda = \frac{L}{L_0} = 1 + e$ in diese Gleichung ein, ergibt sich der direkte mathematische Zusammenhang:

$$\varepsilon_w = \ln(1 + e)$$

ε_w = ln(L / L₀); ε_w = ln(1 + e)
FormelzeichenBezeichnungBedeutung & Einheit
$\varepsilon_w$ (oder $\varphi$)Wahre DehnungLogarithmische Dehnung / Umformgrad (dimensionslos)
$L_0$AusgangslängeUrsprüngliche Bezugslänge des Werkstücks ($\text{mm}$, $\text{m}$)
$L$EndlängeMomentane oder finale Probenlänge ($\text{mm}$, $\text{m}$)
$\Delta L$LängenänderungAbsolute Längendifferenz $L - L_0$ ($\text{mm}$, $\text{m}$)
$e$ (oder $\varepsilon$)Technische DehnungCauchy-Nenndehnung $\Delta L / L_0$ (dimensionslos)

Technische Dehnung vs. Wahre Dehnung im Direktvergleich

Bei elastischen Verformungen mit geringen Dehnungen (typischerweise unter $0{,}2,%$) stimmen technische und wahre Dehnung nahezu exakt überein. Bei plastischen Verformungen, Kaltverfestigungen oder Tiefziehprozessen bietet der Wahre-Dehnung-Rechner entscheidende physikalische Vorteile:

KriteriumTechnische Dehnung ($e$)Wahre Dehnung ($\varepsilon_w$)
BezugslängeFeste Anfangslänge $L_0$Veränderliche Momentanlänge $L$
AdditivitätNicht additiv bei FolgestufenExakt additiv: $\varepsilon_{\text{ges}} = \varepsilon_1 + \varepsilon_2$
Symmetrie (Zug/Druck)Asymmetrisch bei gleicher GeometrieänderungSymmetrisch mit identischem Betrag
HauptanwendungsbereichElastizitätslehre, BauteilnormungPlastomechanik, Umformtechnik, FEM-Fließkurven

Beispielrechnung im Wahre-Dehnung-Rechner

Ein Rundzugstab aus Vergütungsstahl mit einer Ausgangslänge von $L_0 = 100,\text{mm}$ wird im quasistatischen Zugversuch auf eine Länge von $L = 135,\text{mm}$ gestreckt. So führt der Wahre-Dehnung-Rechner die Analyse aus:

  1. Streckverhältnis ermitteln:
    $$\frac{L}{L_0} = \frac{135,\text{mm}}{100,\text{mm}} = 1{,}35$$
  2. Technische Dehnung berechnen:
    $$e = 1{,}35 - 1 = 0{,}35 \quad (35{,}00,%)$$
  3. Wahre Dehnung berechnen:
    $$\varepsilon_w = \ln(1{,}35) \approx 0{,}3001$$

Der Vergleich belegt anschaulich: Die wahre Dehnung beträgt $\varepsilon_w \approx 0{,}3001$ und fällt damit messbar geringer aus als die nominale technische Dehnung von $0{,}35$. Bei Stauchung (Kompression) gilt der umgekehrte Fall, da die momentane Bezugslänge während des Stauchens kontinuierlich abnimmt.

Typische Anwendungsbereiche für den Wahre-Dehnung-Rechner

In Wissenschaft, Werkstoffprüfung und industrieller Fertigung ist der Wahre-Dehnung-Rechner vielseitig im Einsatz:

  • Zugversuch & Fließkurvenerstellung — Exakte Aufbereitung von Kraft-Weg-Diagrammen zur Ermittlung wahrer Spannungs-Dehnungs-Kurven (Fließkurven nach Ludwik, Swift oder Voce).
  • Umformtechnik & Massivumformung — Bestimmung des logarithmischen Umformgrades $\varphi$ beim Schmieden, Strangpressen, Walzen und Drahtziehen.
  • Blechumformung & Tiefziehen — Vorhersage von Grenzformänderungsdiagrammen (FLD) zur Vermeidung von Rissbildung und Einschnürungen.
  • Nichtlineare FEM-Simulation — Kalibrierung numerischer Materialmodelle in Solvern wie Abaqus, LS-DYNA oder ANSYS, welche logarithmische Dehnungsraten zur Formulierung elastoplastischer Stoffgesetze verwenden.
  • Polymer- und Elastomercharakterisierung — Präzise Quantifizierung extremer Dehnungen bei gummielastischen Werkstoffen und Biopolymeren.

Häufige Fragen zu Wahre-Dehnung-Rechner

Was ist der Unterschied zwischen wahrer und technischer Dehnung?

Die technische Dehnung bezieht die gesamte Längenänderung auf die feste Ausgangslänge L₀. Die wahre Dehnung (logarithmische Dehnung) bezieht jede inkrementelle Längenänderung auf die jeweils momentane Länge L und bildet große plastische Verformungen exakt ab.

Wie lautet die Formel zur Berechnung der wahren Dehnung?

Die Grundformel lautet ε_w = ln(L / L₀). Liegt die technische Dehnung e bereits vor, lässt sich die wahre Dehnung direkt über die Beziehung ε_w = ln(1 + e) berechnen.

Warum ist die logarithmische Dehnung bei großen Verformungen genauer?

Bei großen Verformungen ändert sich die Probengeometrie kontinuierlich. Die logarithmische Dehnung ist im Gegensatz zur technischen Dehnung mathematisch additiv bei mehrstufigen Umformprozessen und spiegelt die reale Werkstoffbeanspruchung wider.

Was bedeutet ein negatives Ergebnis im Wahre-Dehnung-Rechner?

Ein negativer Wert im Wahre-Dehnung-Rechner signalisiert eine Stauchung oder Verkürzung des Prüfkörpers (Endlänge L kleiner als Ausgangslänge L₀), während ein positiver Wert eine Längung bzw. Zugbeanspruchung darstellt.

Kann man die wahre Dehnung auch über Querschnittsflächen ermitteln?

Ja. Bei plastischer Verformung mit Volumenkonstanz gilt L / L₀ = A₀ / A. Dadurch lässt sich die wahre Dehnung bzw. der Umformgrad über φ = ln(A₀ / A) bestimmen.